19.06.2020

DAS WEISSE IM AUGE (1987)


"Death Wish 3" inhaltlich nicht mehr beachtend und an die Teile 1 und 2 anschließend, schraubt "Das Weiße im Auge" als dritte Fortsetzung von "Ein Mann sieht rot" die Schraube des Irrsinns zwar ein wenig zurück, arbeitet aber erneut kein zurückhaltendes Szenario ab. Nicht nur dass Paul erstmals wirklich im Auftrag eines anderen arbeitet, er legt sich diesmal auch sogleich mit der Mafia an, genau genommen sogar mit zwei Mafia-Banden. Geld und somit Waffen frei Wunsch stehen ihm fast unbegrenzt zur Verfügung, somit kann es ordentlich zur Sache gehen, dennoch geht Teil 4 wieder langsamere Wege. Eine länger ausgeführte Vorgeschichte, in welcher Paul erneut eine ihm naheliegende Person verlieren darf, sowie ein darauf folgender persönlicher, ausführlich präsentierter, Rachefeldzug, gehen der Hauptgeschichte voraus. Das erdet den an sich übertriebenen Plot ein wenig, womit "Death Wish 4: The Crackdown" (Originaltitel) trotz typischer Actionfilm-Übertreibung nicht so bescheuert daher kommt, wie sein direkter Vorgänger und sich somit innerhalb der Genre-Gewohnheiten vernünftig schaut.

Mit einer pfiffigen Geschichte braucht man nicht rechnen. Deswegen lässt sich die finale Wendung auch schon von Beginn der Hauptgeschichte an etliche Kilometer gegen den Wind riechen. Einem unterhaltsamen Unterfangen steht diese triviale Herangehensweise jedoch erneut nicht im Weg. Ein wenig zäh begonnen, sodass ich zunächst dachte den ersten schwächelnden Teil der Reihe gesichtet zu haben, beweist sich "Death Wish 4 - Das Weiße im Auge" (Alternativtitel) mit der Zeit als angenehm erzählter No Brainer, in welchem Paul weit taktischer vorgehen darf als jemals zuvor. Die Idee zwei konkurrierende Banden, zwischen denen gerade erst so etwas wie Frieden eingekehrt ist, gegeneinander auszuspielen, als unsichtbare dritte Partei, von der niemand weiß dass sie existiert, besitzt definitiv ihren Reiz, so dass der Aufhänger zu funktionieren weiß. Um Glaubwürdigkeit geht es in der Reihe schon lange nicht mehr. Paul ist ein derartiger Profi, dass man nicht mehr hinterfragt, warum er es schafft gegen langjährig erfahrene Berufskriminelle zu siegen. Wirkliche Steine werden ihm zudem nie in den Weg gelegt. Jedes Mal ist er den Bösen einen Schritt voraus, auch Richtung Finale, in welchem er es mit einem zusätzlichen Gegner zu tun bekommt. Dennoch bereitet dieses problemlose Heimspiel Freude, macht es doch Spaß dem zwielichtigen Helden bei seiner Aufräumarbeit zuzusehen. Ein Nebenplot um Gesetzeshüter, die Paul das Handwerk legen wollen, hält ein wenig dagegen, doch selbst die sind nie eine wahre Bedrohung für den unbesiegbaren Paul.

Der unangenehme Aspekt, aufgrund abscheulicher Taten vom Volk gefeiert zu werden, wird glücklicher Weise komplett ausgeblendet. Somit funktioniert die selbstherrliche und fragwürdige Art diesmal weniger unangenehm als in den beiden Vorgängern, die nicht mehr den Ton und die Aussage des ersten Teils trafen. Das tut Teil 4 ebenso wenig, er befolgt jedoch die typischen Regeln des 80er Jahre Action-Films, so dass man weniger streng mit dem Thema Selbstjustiz umzugehen braucht, wie in den Teilen 2 und 3. Erstmals findet ein Regiewechsel innerhalb der Reihe statt. Der seit den 50er Jahren tätige J. Lee Thompson erweist sich als gute Wahl einen interessanten Mix aus klassischem Actioner und für seine Zeit modernem abzuliefern. Mit "Ein Mann wie Dynamit" und einigen anderen Werken hatte er sich bereits als Regisseur für Charles Bronson-Filme bewiesen, da scheint es nur konsequent zu sein, dass er auch in dessen erfolgreichster Chose mitmischen durfte. Wie sich die Geschichte schön ruhig, aber nicht Action-arm, angegangen allmählich hoch schaukelt, bishin zum bombastischen Vernichtungsaugenblick beider Banden, ist wahrlich kurzweilig anzuschauen. Niveauvoller als der Vorgänger umgesetzt und dennoch lediglich reines Action-Kino präsentierend, serviert "Death Wish 4" genau jene gekonnte Genre-Routine, wie sie sich angenehm schauen lässt, den Zuschauer weder unter- noch überfordernd.  OFDb

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