Mittwoch, 20. März 2013

SCHREI, SO LANG DU KANNST (No One Can Hear You 2001 John Laing)



In einem kleinen Städtchen findet man eine Familie geköpft vor. Dies ist erst der Anfang einer Mordreihe, die vom Muster her einer Bluttat ähnelt, die vor 15 Jahren stattfand. Während der Sheriff auf den Verdacht eines gesuchten Trampers baut, nimmt die Radiomoderatorin Trish ihre eigenen Ermittlungen auf und ahnt nicht, dass der Mörder zu ihrem Bekanntenkreis gehört und es als nächstes auf sie und ihre Töchter abgesehen hat...


Harmloses „Scream“...

Bei Filmen wie diesen fällt mir eine Bewertung immer sehr schwer. „Schrei, so lang Du kannst“ ist derart routiniert umgesetzt, dass er keinerlei Überraschungen bietet. Ist das nun ein schlechter oder ein mittelmäßiger Film? Immerhin werden solche Produkte nicht nur für den eingefleischten Fan gedreht. Ein Neuling könnte mit dieser „Halloween“ für Arme-Variante vielleicht durchaus etwas anfangen.

Bereits der Titel deutet Routine an. Seit „Scream“ werden mit der deutschen und englischen Version des Wortes allerhand „deutsche“ Titel gefüllt. Neben „Schrei, denn ich werde Dich töten“ dürfte die zum hier besprochenen Film deutlichste Übereinstimmung bei „Schrei wenn du kannst“ liegen.
„Schrei, so lang Du kannst“ orientiert sich an den Slasher-Filmen seit „Scream“, sprich uns wird eigentlich nur ein Grusel-Krimi erzählt mit einem menschlichen Täter statt eines nicht tot zu kriegenden Monsters. Ich persönlich bevorzuge die monströse Variante, mag die des Mörderratens jedoch auch, sofern sie reizvoll umgesetzt ist. Für den erfahrenen Genre-Fan hat Laings Film genau in diesem Punkt sein größtes Defizit. Der erste bürgerliche Auftritt des später aufgedeckten Killers verrät den Mann sofort als Täter.

Er passt in das typische Personenbild, allerspätestens, wenn von dem Mord die Rede ist, der 15 Jahre zuvor begangen wurde. Neulinge könnten den Täter jedoch auch schnell entlarven. Von Anfang an steht sein Geschlecht fest, und seine Bewegungen verraten recht schnell sein jugendliches Alter. Nimmt man nun noch die Flüsterstimme des Serienmörders dazu, die der Stimme des bürgerlichen Teens arg ähnlich ist, hat man des Rätsels Lösung schnell in der Tasche ohne auf die Genialität eines Sherlock Holmes zurückgreifen zu müssen.

Ziemlich spannungsarm wird einem die immergleiche Geschichte erzählt mit den immergleichen Figurentypen (und in diesem Falle der immergleichen Mörderauflösung). Viele Figuren werden extrem überzeichnet, so dass sie in einer Parodie besser aufgehoben gewesen wären. Die jugendliche Hauptrolle spielt versteift, als habe sie sich in einen anderen Karrierebereich gewünscht. Die besten Schauspieler spielen durchschnittlich, und solche Routiniers haben keine Chance gegen das schwache Drehbuch anzuspielen.

Dies hält neben jeder Form von Überraschungsarmut (wirklich jeder Form, nicht einmal der Killer fällt durch interessante Bekleidung auf) zudem noch jede Menge Unlogiken und Augenverdreher bereit. Über das Verhalten von Menschen in Stress-Situationen gibt es kein strenges Muster, das jeder Betroffene einhalten muss. Aber was die Figuren dieser Geschichte so alles treiben, grenzt an suizidem Verhalten.

Trotz nächtlicher Kleinstadt-Panik lädt man abends einen Fremden zu sich ins Haus ein, der genau zu der Verdächtigenbeschreibung des Sheriffs gehört. Kinder werden angeblich aus gutem Grunde und aus wichtigem Anlass heraus zu Hause allein gelassen, dabei lässt die Mutter ihre Kinder nur deshalb allein, weil sie über Radio für den Sheriff journalistisch fragwürdige Propaganda-Arbeit leisten muss, die ihr a) widerstrebt und die b) jeder andere in der Radiostation auch hätte übernehmen können.

Ohnehin lässt sich die gute Mutter ständig vom Sheriff zu idiotischen Taten überreden, wie beispielsweise zu jener, während der Finaleinleitung an einen Fundort zu kommen, der den Fall eventuell schnell abschließen könnte. Der Sheriff findet ein Auto im See mit einem Hauptverdächtigen und ruft die besagte Mutter hinzu, obwohl diese ihre Kinder allein mit einem besonders unfähigen Sheriff-Gehilfen zu Hause gelassen hat. Was sie am besagten Ort soll weiß niemand. Nicht einmal die Mutter. Bei ihrer Ankunft stellt sie immerhin die Frage, die auch dem Zuschauer auf den Lippen brennt: Was soll ich hier? Statt einer Antwort gibt es einen Szenenwechsel und die Wissenslücke wird nie gefüllt. Was sollte sie dort? Ob es der Sheriff selber weiß?

Im Finale bemühen sich Regie und Drehbuchautoren ein großes Durcheinander zu veranstalten, so als habe noch niemand den Braten gerochen wer der Täter ist. Spannungsarm wird mit der Unwissenheit der Heldin gespielt, die langsam doch mal Angst bekommt. Das ist auch höchste Zeit, nachdem ihre zwei besten Freundinnen kurz zuvor gestorben sind, ein viertel Jahr zuvor der Herr Papa und schon von Trauer nie eine Spur zu entdecken war. Dann doch bitte eine Spur von Angst, und die ließ so lange auf sich warten, dass der komplette Charakter der steif spielenden Dame sehr unrealistisch rüberkommt.

Alles ist vorhersehbar. Alles ist Routine. Für den Horrorfan gibt es nichts zu ernten. Zwar ist die Rede von geköpften Leichen, aber der Film kommt familienzahm daher, ist nur die Lightversion eines Slashers mit vielen Überlebenden und Toten aus Bereichen, die der zarte Zuschauer gerade noch verkraften kann. Die Morde sind nicht zu sehen, weder Blut, Spannung noch Schockmomente beglücken den Fan.

Was bleibt ist Magerkost-Unterhaltung für den Neuling oder das Hausmütterchen, das sich wie ein amerikanischer Streifen guckt, obwohl hauptsächlich Deutschland und Neuseeland daran herumgewerkelt haben. Und wieso wurde so etwas einfallsloses dann auch noch vom ZDF und somit von uns mitfinanziert?



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