Montag, 28. Juli 2014

THE COLONY - HELL FREEZES OVER (The Colony 2013 Jeff Renfroe)


Die Zukunft: schon lange Zeit ist die Erde ein Eisplanet, wenige Überlebende hausen unterirdisch, halbwegs gut organisiert. Als Kolonie 7 von Kolonie 5 einen Hilferuf empfängt, ziehen drei Leute los um sich auf den Weg zu ihnen zu machen. Doch Kolonie 5 und alle die in ihr lebten sind tot. Eine Horde Kannibalen hat sie alle auf dem Gewissen. Der Hilfstrupp muss fliehen, wissendlich den Feind auf Kolonie 7 aufmerksam zu machen...


Die Hoffnung auf Tauwetter...

Auf dem DVD-Cover spricht man von einem Mix aus „The Day After Tomorrow“ und „30 Days Of Night“, aber der sich fleißig an einer Idee von „Tooth And Nail“ bedienende „The Colony“ schaut sich dank seiner Klischee-Charaktere eher wie eine Stephen King-Version von „Das Ding aus einer anderen Welt“ von Kannibalen anstatt von einem Außerirdischen handelnd. Andererseits: ganz verkehrt ist der Vergleich zu dem in Alaska spielenden Vampirfilm sicherlich nicht gewählt, zumindest wenn man sich das Verhalten der Menschenfresser ansieht, ganz besonders ihren Anführer, der verkrampft auf cool getrimmt wird, ewig wie ein Oberproll vor sich hin brüllen darf und dabei freilich nur peinlich wirkt.

Aber bis wir auf ihn stoßen vergeht die Hälfte der Laufzeit, und bis dahin schaut sich „The Colony“ mit all den klassischen Blockbuster-Krankheiten eigentlich ganz okay. Die Eiswelt ist visuell überzeugend eingefangen, auf schlichtere Art als man für eine Großproduktion vermuten würde, aber durchaus ansehnlich. Die Grundlage der Story ist bereits so löchrig, dass zukünftige Idiotien nicht weiter weh tun und die Atmosphäre routiniert genug die vorhersehbare Story angenehm zu tragen. Lediglich das Vertrauen in den Geist des Zuschauers ist wieder etwas zu beleidigend ausgefallen, das zeigt der Tiefpunkt direkt zu Anfang, wenn uns nach der Einstiegsszene nach der Titeleinblendung ein Off-Kommentar noch einmal das erzählt, was wir gerade gesehen haben. Und da ging es nicht gerade um Atom-Physik.

Da man weiß, dass man sich in einer Blockbuster-Produktion befindet braucht man da auch gar nicht wirklich drüber zu maulen, so funktionieren die Filme nun einmal, die auch der letzte Vollidiot verstehen soll (warum auch immer). Man kann sich im hier vorliegenden Fall durchaus damit arrangieren, auch wenn man wie immer alternativ eigentlich auch zu einem anspruchsvolleren Film ähnlicher Thematik hätte greifen können.

Mit der Ankunft in Kolonie 5 lässt der Streifen jedoch so langsam nach, stört es doch ein wenig dass die Kannibalen in ihrem Verhalten fast nur noch Tiere sind, ewig vor sich her grunzend, scheinbar nicht mehr der Sprache mächtig und nur noch dem Ur-Trieb der Nahrungsaufnahme folgend. Eine übernatürliche Thematik wäre diesen Wesen gut bekommen und hätte trotz einer unrealistichen, weit her geholten Idee den Trash-Gehalt nach unten gedrückt. Die Kannibalen sind einfach nicht glaubwürdig, wie weiter oben erwähnt peinlich in ihren Auftritten und in ihrem grundlegenden Verhalten im Widerspruch stehend zu manch auf Intelligenz aufbauende Taten, die in ihrem Tun kurz aufblitzen.

Eigentlich erhoffte ich mir einen späten Unterhaltungsanstieg ab der Heimkehr in Kolonie 7, wissendlich dass dort genau das passieren wird, was jedem denkfaulen Drehbuch-Autor eingefallen wäre. Aber das Vorhersehbare, mit dem man sich dank geringer Erwartung hätte anfreunden können, wird nun ganz übel verwässert durch eine menschenverachtende Grundstimmung, die auf den Rachedurst des Publikums appelliert, damit freilich nur das denkfaulste und aggressivste Gemüse unter den Zuschauern erreicht, während der zivilisierte Mensch vor dem Fernseher mit ansehen muss, wie jegliche vorher brav zelebrierte Moral über Bord geschmissen wird. Dies jedoch nicht um einen gesellschaftskritischen Denkzettel zu verpassen, sondern gar nicht beachtend, dass sich die Helden gar nicht mehr von den Bösewichtern aus ihren eigenen Reihen unterscheiden.

Wem das egal ist, der ist mit „The Colony“ bestens bedient und dank der letzten halben Stunde endgültig im Idioten-Kino angekommen, was schon sehr schade ist, so plump und simpel der Streifen in seiner ersten Hälfte zu unterhalten wusste. Ich erwarte von einem Blockbuster ja nicht viel, aber dann sollte er von mir auch nicht all zu viel erwarten. Auf Kommando Selbstjustiz bejubeln, Denkfaule für ihre Entscheidungen beglückwünschen und den Rückschritt einer funktionierenden Gesellschaft als Fortschritt feiern, das sind Dinge die ein Film nicht von mir erwarten darf. Schlimm genug dass andere sich diesen Wünschen fehlgeleiteter Filmschaffender unreflektiert hingeben.

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