Samstag, 19. November 2016

CLOWN (2014 Jon Watts)


In einem seiner zum Verkauf stehenden Häusern findet der Makler Kennt ein Clownskostüm, welches er zum Geburtstag seines Sohnes anzieht. Nach erfolgreicher Belustigung bekommt er es jedoch nicht mehr ausgezogen. Es wächst mit ihm zusammen und verwandelt ihn in eine Bestie, die nach Kinderfleisch giert...


Der Kummer der Frau eines Clowns...

Dass sich wer über die Körperteile eines anderen verändert, kennt man aus „The Eye“, „Body Parts“ und vielerlei ähnlichen Filmen. Ein Kleidungsstück, welches die Persönlichkeit verändert, kenne ich persönlich nur aus Tobe Hoopers „Im Banne des Grauens“. Eines von diesen Beispielen in Kombination mit dem klassischen Mutations-Horror ist mir bislang jedoch nicht untergekommen. Von daher kann man Watts „Die Fliege“-Variante, in welcher sich ein Makler in einen Clown verwandelt, durchaus als eine eigenständige Idee bezeichnen.

In den 90er Jahren hätte man solch eine Geschichte wahrscheinlich noch humoristisch, oder zumindest augenzwinkernd untermalt wie den „Ice Cream Man“, umgesetzt. Der von Erfolgs-Regisseur Eli Roth inszenierte Film kommt jedoch nicht nur sehr ernst daher, er übertreibt es gar mit seiner unverspielten Art, indem er von einer düsteren Ur-Herkunft der heute als belustigend geltenden Clowns ausgeht, ein Aspekt der es schwer macht „Clown“ all zu ernst zu nehmen, aber immerhin präsentiert er die Ausführung eines Gedankenganges, der in „Space Invaders“ einst nur kurz angeklungen ist.

Abgesehen von der so gar nicht feinfühligen deutschen Synchronisation ist dies aber eigentlich der einzige Schwachpunkt eines Horrorfilmes, der zwar nicht so innovativ ausgefallen ist wie er klingt, eigentlich sogar recht gewöhnlichen Pfaden folgt, als kleiner Leckerbissen seines Genres jedoch zu gefallen weiß, zumal er in der Umsetzung seines gar nicht so innovativen Stoffes manch ungewöhnliche Eigenschaften besitzt. Allen voran wäre freilich der Bruch des Tabus der Kinderopfer zu betrachten, den in den 80er Jahren meist nur die Italiener zu brechen wagten. Nun konzentriert sich ein Film einmal zentriert auf diese vernachlässigte Opfergruppierung, und so mancher fiesgeleitete Horror-Fan wird da vielleicht sogar mit dem Clown mitfiebern, sind Kinder in Horrorfilmen doch meist nicht gern gesehen.

Die FSK 18 mag gerechtfertigt sein, so brutal wie ein üblicher Eli Roth-Film ist Jon Watts Erstling jedoch nicht ausgefallen, so dass besagter Tabubruch noch relativ schonen angegangen wird. Da fliegen eher angenagte Körperteile ins Bild, als dass man einer Attacke tatsächlich beiwohnen muss, und auch sonst geschehen blutige Momente eher angedeutet, anstatt konstant mit der Kamera draufzuhalten.

Ansonsten überrascht „Clown“ damit, dass er die Erkenntnisse seiner Geschichte sehr zügig vorwärts bringt. Wo andere Protagonisten einer Geschichte lange recherchieren, oft sogar erst gegen Ende begreifen was mit ihnen oder Nahestehenden geschieht, findet das Begreifen und das Entdecken der Hintergründe im hier besprochenen Film sehr früh statt. Das ist glücklicher Weise glaubwürdig eingefangen, ohne dabei das Geschehen als zu gehetzt einzufangen, einen wirklichen Vorteil verschafft sich Watts damit jedoch trotzdem nicht, nutzt er die eingesparte Zeit doch nicht für Einblicke in die Geschichte, die bei üblichem Erzählmuster nicht möglich gewesen wären.

Das mag eine vertane Chance gewesen sein, in „Clown“ geht es aber ohnehin nicht um außergewöhnliche Momente. Eigentlich erzählt er nur eine leicht bizarre Horrorgeschichte, die ihrer Unterhaltungspflicht nachkommt. Interessante Ansätze, wie der innere Konflikt der Mutter ein Kind für das ihre opfern zu müssen, werden nur kurz angeschnitten, um schließlich mit simpelster Lösungsmethode, meist durch Fremdeinfluss, auf den nächsten Hingucker der Geschichte hinzulenken. Dementsprechend oberflächlich fällt die Psychologie der Figuren und der Anspruch des Streifens aus. Erwartet man von „Clown“ jedoch nicht all zu viel, ist er interessant genug ausgefallen um mit ihm seinen Spaß zu haben. Allerdings rate ich zu einer Sichtung im Originalton. Die reguläre deutsche Veröffentlichung verfügt erfreulicher Weise über einen deutschen Untertitel.


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