Mittwoch, 22. August 2012

TUCKER AND DALE VS. EVIL (2010 Eli Craig)



Zwei Hinterwäldler erholen sich beim Angeln vom Renovieren einer neu erstandenen Waldhütte und beobachten Teenager beim Baden im See. Als eine Jugendliche von einem Sprung ins kühle Nass nicht wieder auftaucht, retten die beiden die junge Frau. Die restlichen Teenager verlassen fluchtartig den See, da sie die beiden für Psychopathen halten, wie sie in Horrorfilmen geradezu klassisch dargestellt werden. Das Missverständnis artet aus...


Teenager sind die Hölle...

Horrorfilme werden meist auf die „Scary Movie“-Art parodiert, ansatzweise auch im klassischen Stil einer Horror-Komödie. Aber wenn der Parodiegedanke im Zentrum steht, ist es eben jene Art, in welcher spezielle Horrorfilme ganz direkt angesprochen werden. Eine erfrischende Ausnahme bildete da vor einigen Jahren der Film „Wasting Away“, der uns einen Zombiefilm aus Sicht der Zombies zeigte, eine Idee aus der einiges an Humor zu ernten war. Auf diese Idee springt nun auch die Kanadische Komödie „Tucker And Dale vs. Evil“ auf, die noch einen Schritt weiter geht. Erzählt wird der klassische Backwood-Streifen a la „Freitag der 13.“ und „Blutgericht in Texas“ aus der Sicht der Hinterwäldler. Die Veränderung in Bezug auf „Wasting Away“: alles ist nur ein Missverständnis.

Die Hinterwäldler sind eigentlich so harmlos wie die Teenager, was wiederum nur die halbe Wahrheit ist, da die Jugendlichen von Angst getrieben recht aggressiv zur Sache gehen, und Tucker und Dale, so der Name der  Hinterwäldler, bald um ihr Leben fürchten müssen. Es ist ihr Glück, dass das Jungvolk so unglaublich blöde ist, wie man es aus den ernstgemeinten Filmen dieser Art kennt. So gehen die Angreifer meist selbst bei ihrenTötungsversuchen drauf. Dies wiederum erweckt den Eindruck für Tucker und Dale es mit einer Gruppe psychopatischer Suizider zu tun zu haben.

Horror ist mit dem gewählten Stil des Films nicht möglich. „Tucker And Dale vs. Evil“ ist eine reine Komödie, die mit Klischees des Horror-Genres spielt und dies mit Splattereinlagen garniert, die man genau so aus der zu parodierenden Art Film kennt. Zwar bevorzuge ich es, wenn Horror-Komödien auch einen Spannungsanteil besitzen, so wie es „Return Of The Living Dead“ und „Tanz der Teufel 2“ schafften, im Falle von Eli Craigs Langfilm-Regiedebut ist es allerdings die richtige Entscheidung auf wahre Horrormomente zu verzichten. Wo Filme wie „Dead Snow“ auf diese Art nicht punkten konnten, da wird „Tucker And Dale vs. Evil“ zum Vorzeigefilm dieser Art.

Der Grund zeigt sich im Unterschied zu „Dead Snow“. Der setzte lediglich auf gorigen Humor und flache Charaktere, wohingegen der blutige Witz im hier besprochenen Streifen nur nebensächlich ist (auch wenn er nicht zu kurz kommt). Das humoristische Hauptaugenmerk liegt in der charakterlichen Komik, die der ebenso witzigen Grundidee der verdrehten Realität erst die nötige Seele beschert. Dementsprechend passt es auch, dass in einem eher albernen Werk dennoch ein kleiner Platz für Tragikomik bleibt. Das bereichert den Film ebenso wie sein romantischer Aspekt, der nie unnötig oder störend wirkt. Wie könnte er das auch, wo er doch ebenfalls wundervolle Witzchen beherbergt.

In der wahren Realität wäre das Ergebnis im Hinblick auf seine Logik arg wackelig. „Tucker And Dale vs. Evil“ orientiert sich jedoch so direkt an seinen zu parodierenden Vorbildern, dass man als Zuschauer ohnehin nur diese im Hinterkopf hat. Orientiert am hirnlosen Teen- und stimmigen Backwood-Horror bleibt der Streifen somit erfrischend logisch. Auch das Spiel mit dem Missverständnis erweist sich als wesentlich länger haltbar, als die verdrehte Optik in „Wasting Away“, die nach einer Stunde Laufzeit zusätzliche Hilfe benötigte, um es über die Ziellinie von 90 Minuten zu schaffen.

Erstaunt darf man als Zuschauer feststellen, welch erfrischende Möglichkeiten von den beiden Autoren immer wieder ausgepackt werden, um das Spiel des Irrtums vorwärts zu treiben. Da stören auch keinesfalls zu arg konstruierte Ideen, vielleicht weil die Grundidee, auf die man sich einlassen muss, bereits so konstruiert ist.

Zumindest stößt es nicht sauer auf, wenn einer der Hinterwäldler wie ein wildgewordener Leatherface kettesägeschwingend von der Rückseite der Hütte angelaufen kommt, damit die Teenager erschreckt, einen davon sogar ungewollt bis tief in den Wald hinein verfolgt, weil er in Wirklichkeit, dusselig wie er ist, beim Holzzersägen einen Bienenstock erwischt hat. Das wird optisch wie situativ gekonnt eingefangen, so dass die alberne Idee zu fruchten weiß, anstatt peinlich zu wirken.

Und darin liegt die Kunst, weshalb man nur hoffen kann, dass Regisseur Eli Craig nach diesem einem Langfilm hoffentlich nicht aufhört weitere Projekte anzugehen. Zuvor nur den Kurzfilm „The Tao Of Pong“ gedreht, beweist Craig im Kinofilm ein Händchen für Inszenierung und, da auch am Drehbuch beteiligt, ebenso für Inhalt. Dass neben dem lauten Witz auch manch versteckter symbolischer auftauchen darf (ein von einem großen Ast aufgespießter Jugendlicher beobachtet vor dem Dahinsterben eine Biene, die an seinem Gesicht vorbeischwebt, und deren winziger Stachel in einer solchen Lage nun auch egal ist), unterstreicht um so mehr das Talent Craigs, ebenso wie die Tatsache, dass „Tucker And Dale vs. Evil“, trotz all seines Klamauks, kein geistloser Film ist, auch wenn er sich hauptsächlich wie ein Partykracher guckt. Durch seine ungewöhnliche Art und frischen Idee wird der Streifen in meinen Augen ganz klar zum Geheim-Tipp!


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