Sonntag, 27. Dezember 2015

DER WERWOLF VON TARKER MILLS (Silver Bullet 1985 Daniel Attias)


In dem kleinen Städtchen Tarker Mills geht das Grauen um. Immer wieder werden brutalst zerstückelte Leichen aufgefunden. Der im Rollstuhl sitzende Junge Marty findet heraus, dass es sich bei dem Täter um einen Werwolf handelt. Doch außer seiner größeren Schwester glaubt ihm niemand...


Das einäugige Monster muss nicht immer ein Penis sein...

Stephen King-Filme - es gibt solche und solche. Ob in der Hochphase oder heutzutage, nie weiß man was einen erwartet. Und wenn ein früher Vertreter wie „Der Werwolf von Tarker Mills“ solch ein unbekanntes Schattendasein führt, dann geht man nicht gerade optimistisch an eine Sichtung heran, zumal es für meinen Geschmack kaum taugliche Horrorbeiträge zum Thema Werwolf gibt. Dennoch wollte ich einmal antesten ob der Film mich trotzdem überzeugen kann, zumal er mit dem mir sehr sympathischen Jungdarsteller Corey Haim in einer der wichtigsten Rollen besetzt ist. Und als ich auch noch den Namen von „Stepfather“ Terry O‘Quinn im Vorspann las, war ich erst recht guter Dinge.

Mit den prominenten Größen wie „Shining“, „Misery“, „Stand By Me“ und „Carrie“ kann es „Silver Bullet“ (Alternativtitel) nicht aufnehmen. Dennoch war ich überrascht welch gelungenes Werk Daniel Attias Regiearbeit ist. Warum war der gute Mann danach nur noch für TV-Serien tätig, wenn auch immerhin für solch prominente wie „Buffy - Im Bann der Dämonen“, „Lost“ und „Dr. House“? Attias ist ein wahrhaft dicht erzählter Film gelungen, der Spielberg-ähnlich aus familienabenteuerlicher Perspektive den Horror heraufbeschwört, der in seinen reinsten Momenten richtig spannend ausgefallen ist.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist einer dieser Horror-Wohlfühl-Filme. Er ist ein wenig märchenhaft erzählt, lässt einen Hauch „Stand By Me“-Mentalität durch die Kinderperspektive entstehen, ist aber trotz alledem nicht zu brav ausgefallen, als dass man ihn als Horrorfilm nicht ernst nehmen könnte. Nicht selten geht der Werwolf blutig zu Werke, und Attias weiß ihn gekonnt einzusetzen. Zunächst ist er immer nur recht kurz im Bild zu sehen, und später scheut der Regisseur auch nicht die Totale auf eine Kreatur, die nur in wenigen Momenten optisch zu naiv ausgefallen ist - ein Zustand den die Kreaturen in den meisten Werwolffilmen permanent besitzen. Die Verwandlungssequenzen sind wahre Hingucker, und die Traumsequenz eines innerlich gequälten Pfarrers lässt die Spezialeffekt-Spezialisten einmal so richtig austoben.

Zudem gefällt es, dass „Cycle of the Werwolf“ (Alternativtitel) nicht nur in den Nachtsequenzen Spannung aufzubauen weiß. Wenn z.B. die Schwester von Marty versucht den Werwolf zu identifizieren, da eine Attacke des Jungen Spuren bei einem der Bewohner hinterlassen haben muss, ist die Atmosphäre bei ihrem Streifzug durch die Stadt mitten am Tag auf einem Hoch. Die Auflösung um wen es sich handelt ist geradezu Stephen King-typisch ausgefallen und hat mich trotzdem überrascht. Von diesem Zeitpunkt an funktioniert die Geschichte ähnlich wie der im selben Jahr entstandene „Fright Night“, denn die Bestie weiß nun wer von seiner Existenz weiß und lauert jenem, dem keiner glaubt, auf.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ versucht nicht nur zu erklären warum die Bestie auch dann aktiv ist wenn kein Vollmond ist (womit der Werwolf nicht nur in wenigen Nächten aktiv sein darf wie in manch vergleichbarer Geschichte), er weiß es auch zu nutzen um sich einen zeitlichen Vorteil zu verschaffen wenn es um das unausweichliche Finale geht. Dies ist nach einem hohen Spannungsbogen zwar relativ schlicht ausgefallen, aber es erzählt was es erzählen muss. Eine im Laufe der Story aufkommende Dramatik des Besessenen, die begründet warum das Monster sich nicht selber richten kann, wird im Finale geschlossen, ohne dass Attias mit dem Finger drauf zeigt. Der Zuschauer weiß es einfach, auf unnötigen Kitsch wird verzichtet.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist erfreulicher Weise keine dieser mittelmäßgen King-Verfilmungen wie „Christine“, „Rhea M“ oder „Desperation“, sondern spielt in etwa in einer Liga mit „Der Nebel“, „Thinner - Der Fluch“, „Friedhof der Kuscheltiere“ und „Der Rasenmähermann“ (falls man den überhaupt als Vergleich heranziehen darf, so wenig wie er mit Kings Vorlage zu tun hatte), sprich er spielt nicht in der ersten Liga mit, weiß aber bestens zu unterhalten und ist damit sogar besser ausgefallen als die ebenfalls sympathischen Werke „Cujo“, „Schlafwandler“, „Es“ und „Needful Things“. Mit solch einem tollen Ergebnis hatte ich wahrlich nicht gerechnet.


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