Donnerstag, 22. Juni 2017

HORROR HOUSE 2 (La Casa 5 1990 Claudio Fragasso)


Ein Priester zieht mit seiner Familie in ein verfluchtes Haus. Nachdem die dort spukende Hexe seinen Sohn in ihre Dimension gezogen hat, ist der Priester von der Hilfe eines Abtrünnigen der Kirche abhängig, der sich von der Macht der Hexe einst hat verführen lassen...


Der schwarze Schwan...

„Horror House 2“ ist eine deutsche Titelgebung, eine erfundene, denn mit „Horror House“ hat er nichts zu tun. Wahrscheinlich dachte wer dass die Parallelen der Geschichte um ein von bösen Mächten heimgesuchtes Haus und das Vorhandensein einer Szene mit einem elektrischen Stuhl bereits ausreichen würden, um das Erfinden eines Fortsetzungsrufes zu legitimieren. Dann hätte aber „Shocker“ bei all seiner Verwandtschaft zu „Horror House“ eher die Ehre gebührt, als dem kleinen italienischen Hexen-Horror, der laut der OFDb einer ganz anderen Horror-Reihe angehört.

Zwar hat „Beyond Darkness“ (Alternativtitel) auch mit dieser inhaltlich nur das unheimliche Treiben irgendwelcher bösen Mächte in irgendeinem x-beliebigen Haus gemein, so dass der Titel „Horror House 2“ genauso viel Sinn ergibt wie der Bezug zu der wahren Reihe, welcher er angehört, doch selbst wenn man aufgibt sich mit solch unnötigen Fragen zu beschäftigen, deren Antworten wahrscheinlich ohnehin nur in der Geldgier irgendwelchem Produzentendenkens zu finden sind, bleibt noch immer die Frage offen, warum der hier besprochene Film als Teil 3 nach „Ghosthouse“ und „Witchcraft - Das Böse lebt“ im Original „La Casa 5“ heißt. Wer weiß, vielleicht haben die User der OFDb auch noch nicht alle Fortsetzungen miteinander verlinkt, eigentlich ist auf deren Wissen und Fleiß jedoch Verlass.

Wie auch immer, „House 5“ (ebenso dämlicher Alternativtitel) ist der etwas arg bemühte Versuch mittels eines Exorzisten-Themas einen kruden Mix aus Spukhaus-Horror, Hexen-Horror und eben besagtem Exorzisten-Horror zu erschaffen. Herausgekommen ist ein oft lose, trotz aufeinander aufbauender Szenen, zusammengeschustert wirkendes Stück Dämonenbekämpfung, das sich trotz ewigem Drehens im Kreise für ein derart billig heruntergekurbeltes Stück 08/15-Horror halbwegs passabel guckt. Claudio Fragasso, der auch für den herrlich dämlichen „The Riffs 3“ verantwortlich war, beherrscht es zumindest eine halbwegs düstere Stimmung über den Film zu legen.

Aber die kann nicht lange jene undurchdachten Zusammenhänge zusammen halten, die Episoden-haft aus jeglichem Exorzismusversuch einen Misserfolg macht, bis es beim letzten Mal schließlich, aus welchem Grund auch immer, doch noch funktioniert. Dass für keinen dieser Versuche ein komplexes Verfahren nötig ist, zeigt immer wieder auf wie wenig mächtig das eigentlich zu bekämpfende Wesen ist. Lediglich dem Autor und seinen Protagonisten scheint das nie aufzufallen. Dabei zeigt doch spätestens der völlig an den Haaren herbeigezogene Fernexorzismus eines älteren Priesters, der sich bislang weigerte das Böse persönlich zu bekämpfen, wie leicht es schließlich war der Hexe Herr zu werden - oder dem Dämon, was auch immer, die Geschichte macht nie ganz deutlich gegen wen oder wieviele man nun tatsächlich kämpft.

Nicht nur dass einige Passagen, gerade den Übertritt in die andere Dimension um ein Kind zu befreien betreffend, sehr direkt bei Spielbergs „Poltergeist“ geklaut ist, auch die Tochter der nervig strahlend fröhlichen Priesterfamilie erinnert stark an die „Poltergeist“-Tochter Carol-Anne, die man dreister Weise dann auch hier Carol genannt hat. Der Autor dachte sich wahrscheinlich, dass diesen dreisten Klau keiner bemerkt, wenn der Sohn anstatt die Tochter in die Zwischenhölle gezogen wird - was ein raffinierter Schurke - aber wir hellen Köpfchen des Allessehens haben sein Spiel durchschaut.

Zumindest jenes was es zu durchschauen gibt in diesem Ideenmix, in welchem selbst der Autor irgendwann nicht mehr durchblickt, und dies obwohl es eigentlich nur um diverse Austreibungen zur Zurückgewinnung besagten Sohnes geht. Aber da sind noch ganz andere Storyelemente vorhanden, die nie genau herausgearbeitet werden und je nach Szene eine andere Gewichtung erhalten. Besonders hervor sticht die Rolle des abtrünnigen Priesterfreundes, bei der man nie begreift, warum er als Gläubiger aufgrund des Kennenlernens der dunklen Seite der Macht, trotzdem ein Nichtgläubiger sein soll.

Er ist von der Kirche verstoßen, dennoch bemächtigt einen Exorzismus durchzuführen, kurz nachdem er höchstpersönlich erwähnt dass er dies als Ungläubiger nicht kann (obwohl er eigentlich an Gott glaubt). Immer wieder heißt es er wurde vom Glauben der Hexe verführt, was nie bestätigt wird. Und als sie selbiges vor unseren Augen tut, schafft es der Abtrünnige erneut zu widerstehen. Erlöst wird er in seinem Sterbemoment jedoch erst von einem echten Priester. Da blicke mal wer durch, trotz erkennbarer Kirchenkritik jemand mit vollkommener Kenntnis als Ketzer zu brandmarken.

Er ist nur eines vieler Elemente aus „Tanz der Hexen I“ (Alternativtitel), die beim Gesamtüberblick so gar keinen Sinn ergeben wollen. Dass freilich auch keine der hier agierenden Person einen Sinn in ihrem jeweiligen Tun erkennen lässt, spielt da schon keine Rolle mehr. Dass der Nonsens auf seine ganz eigene, naiv charmante Art dennoch recht kurzweilig zu schauen ist, liegt neben des bereits erwähnten atmosphärischen Grundtons mitunter auch am Tempo des Streifens, welches die frisch eingezogene Familie bereits nach kurzer Anlaufzeit Dinge erleben lässt, die Familien vergleichbarer Geschichten erst im Finale durchmachen. Aufgrund billigster Spezialeffekte, theatralischen Anbiederungsszenen an Gott und den anderen in dieser Review angesprochenen Punkten kann man Fragassos Film trotz besagter Pluspunkte dennoch freilich zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen.


Weitere Besprechungen zu Horror House 2: 


PROM NIGHT 4 (Prom Night 4 - Deliver Us from Evil 1992 Clay Borris)


Ein vom Teufel besessener Priester lauert einer Gruppe Teenager auf...


Von der, die alles beichtet...

Prom Night“ handelt Slasher-typisch von einem Psychopathen der Teenagern auflauert, „Prom Night 2“ und dessen Fortsetzung von einem Rachegeist. Als sich am Anfang von „Prom Night 4“ herausstellt, dass es diesmal um einen vom Teufel besessenen Priester geht, spottete ich innerlich bereits, dass Teil 5 dann ein Tier-Horror werden könnte, vielleicht gar ein Bigfoot-Horror. In dieser Reihe schien alles möglich zu sein, Hauptsache irgendwann kommt das titelgebende Fest vor, wenn auch nur am Rande, so wie hier- fahren unsere Teenie-Helden doch lediglich am besagten Fest vorbei, um in einer abgelegenen Hütte eine Privatfeier zu veranstalten.

Die Parallelhandlung der Teenager lässt es zwar bereits vermuten, aber erst nach übergangener Exorzismusversuche und dem Scheitern eines anderen Geistlichen den besessenen Priester gefangen zu halten, kristallisiert sich heraus, dass man mit Teil 4 doch wieder Richtung Teil 1 tendiert und damit doch nicht erneut in eine völlig andere Richtung wegdriftet: man serviert uns einen Slasher - und zur Abwechslung mal einen ohne maskierten Psycho, denn so ein unmaskierter vom Teufel Besessener tuts auch. Ein wenig erinnert er geflüchtet aus der Gefangenheit und in seiner moralischen Mission an den Killer aus dem im selben Jahr erschienenden „Happy Hell Night“, optisch wird er mit seinen langen Haaren jedoch eher wie ein gefallener Engel eingesetzt, sein Schuhwerk verweist auf die Gothic-Szene.

Das klingt moderner als der Film ausgefallen ist, der kommt für einen Slasher recht konservativ daher und arbeitet eher streng die typischen Slasher-Regeln ab ohne dem zur Entstehungszeit, am klassischen Slasher-Modell von „Freitag der 13.“ orientiert, 12 Jahre existierendem Subgenre des Horrors etwas Neues hinzuzufügen. Mir gefällt er jedoch gerade in dieser geradeaus erzählten, leicht biederen Art, zumindest wesentlich besser als die bemüht, fast kindlische, lockere Art von „Prom Night 3“. Auch wenn es nicht wirklich danach klingt, vom Killer her orientiert man sich eher am Vater des Slasher-Kinos, Michael Myers aus „Halloween - Die Nacht des Grauens“, denn hier wie dort haben wir es mit einem mystischen, übernatürlichen Killer zu tun, der nicht zu altern scheint und einer stillen Mission folgt.

Dementsprechend im Schatten agierend wird der böse Priester hier zunächst eingesetzt, erst im Augenblick seiner unmenschlichen Taten wirkt er ironischer Weise menschlich. Ob das gewollt ist oder nicht sei einmal dahingestellt, zumindest ist der Gegenpol zum satanischen Priester das Slasher-typisch brave, keusche Teenie-Mädchen, und dieses damit einmal sinnvoller derart charakterisiert als üblicher Weise, zumindest was die Sinnbilder des Films betrifft. In der eigentlichen Handlung sind ihre inneren Werte Pott wie Deckel, Gott scheint ohnehin nicht auf irgendwessen Seite zu stehen, der hält sich raus wie er es immer tut, und so kämpft halt wie meistens die keusche Jungfrau gegen den Bösen, der sexgeile Teenager tötet, und mag man sich dem Lustgefühl auch nur zaghaft nähern.

Sicherlich wird „Prom Night - Das Böse aus dem Dunkeln“ (Alternativtitel) oder „Prom Night - Evil of Darkness“, wie er ebenfalls mancherorts heißt, nicht jedem schmecken, eben weil er nicht sonderlich frisch und individuell daher kommt. Wer aber auch die nicht ganz so hart ausgefallenen Slasher im konservativeren Gewandt mit weniger Bodycount gourtiert, kann durchaus einen Blick auf die von Clay Borris inszenierte dritte Fortsetzung werfen, die lediglich noch die Nennung der Hamilton High mit den Vorgängern verbindet. Als kleiner Durchschnittsbeitrag seines sympathischen Subgenres kann er gefallen. Ich zumindest mag ihn.


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Mittwoch, 21. Juni 2017

PROM NIGHT 3 (Prom Night 3 - The Last Kiss 1990 Ron Oliver u.a.)


Nachts trifft Durchschnitts-Teenager Alex in der Highschool auf die tote Mary Lou, lässt sich auf eine Liebschaft mit ihr ein und muss schnell die Schattenseiten dieser Beziehung erkennen. Aus Liebe ermordet Mary Lou jede Person die Alex im Weg steht, während dieser die Leichen zu entsorgen hat. Alex möchte einen Schlussstrich ziehen, doch das lässt Mary Lou nicht zu...


Die Vorgängerin der Super-Ex...

Zwar baut „Prom Night 3“ inhaltlich so gut wie gar nicht auf „Prom Night 2“ auf, mit dessem Bösewicht, dem Geist Mary Lou, verbindet die Filme aber zumindest ein hauchdünner Plot, was bereits mehr Zusammenhang bedeutet, als es Teil 1 und 2 zueinander hatten. In den 90er Jahren angekommen, zu einer Zeit in der düstere Mörder wie Jason, Michael und der frühe Freddy ersetzt wurden gegen augenzwinkerndere Kreaturen wie Chucky, dem Leprechaun und dem späteren Sprüche-klopfenden Freddy, versuchte man aus allerhand Horrorfiguren eine ähnliche Kultfigur herauszukitzeln. Und so traf „Prom Night“ das selbe Schicksal wie „Night of the Demons“: ihre zentralen Fieslinge wurden zu Möchtegern-Horrorikonen aufgebläht.

Bereits „Prom Night 2“ erinnerte stilistisch ein wenig an die „Nightmare on Elm Street“-Reihe. Nun mit Teil 3 einen großen Schritt Richtung Horror-Komödie gegangen, lässt sich die gewollte Anlehnung an besagte Erfolgsreihe nicht mehr übersehen. Nur leider tauschte man die ausgedehnten, kreativen, übernatürlichen Szenarien gegen schnelle, skurrile Tötungsmethoden, und hier verrät die bereits damals aufgedrückte FSK 16, dass es nicht sonderlich blutig zugehen wird. Wirklich einfallsreich sind die grotesk gewollten Morde nicht zu nennen, aber damit passen sie ganz gut zu einem Film, der viel zu ängstlich einen Erfolg imitieren möchte, als dass er mutig oder individuell daherkommen könnte.

Nach einem ernüchterndem Einstieg ins Geschehen, indem alle wichtigen Handlungspunkte viel zu schnell, unsensibel und lückenhaft stattfinden, fängt sich das Produkt überraschender Weise und entpuppt sich als doch wesentlich gourmierbarer als zunächst vermutet. Zwar baut man keine wirkliche Identifikation mit Alex auf, da dessen Vergehen keine verzeihbaren Kavaliersdelikte sind, aber die Geschichte funktioniert als kleiner, sich nicht selbst ernst nehmender Videotheken-Horror recht passabel. Vorbilder wie „Return of the Living Dead“ sind noch lange vor zu billig ausgefallenen Zombieszenen zu erkennen, humoristische Einlagen, wie die Direktorsprüche über die Schulsprechanlage, sorgen mit Treffsicherheit für Auflockerung.

Für ein wenig Desorientierung sorgen einige Momente, die direkt auf den Stil von „Nightmare on Elm-Street“ anspielen sollen, es sind jene in welchen Alex in die Fantasiewelt Mary Lous eintaucht. Solche Momente geschehen mitten in Alex‘ Alltag, in Anwesenheit anderer Personen, und doch wird nie klar ob nun alle anderen Personen Alex‘ Perspektive miterleben, ob Alex eine Art Tagtraum hat, oder ob Mary Lou für diese Momente eine Art Parallelszenario erschafft. Bei Freddy war die Linie zwischen Traum und Realität immer klar getrennt, wenn für manchem Überraschungseffekt auch oftmals erst im Nachhinein. Der Wahrnehmungssprung in „Prom Night 3“ will hingegen keinen Sinn machen, so dass wir eventuelle Gesetzmäßigkeiten nicht greifbar gemacht bekommen.

Von den Darstellern reißt sich keiner ein Bein aus, niemand sticht als talentiert hervor. Gut genug besetzt, damit das Ganze funktionieren kann, ist „Prom Night 3“ durchaus, bedient sich also auch diesbezüglich der Mittelmäßigkeit des Gesamtproduktes. Leider wird es Richtung Finale inhaltlich wieder etwas schlechter, gerade dann wenn es völlig überraschend auf „Poltergeist“-Art auf der anderen Seite beider Dimensionen weiter geht. Die entpuppt sich als kostengünstig, wie einfallslos zurecht gemacht, so als habe man eine Highschool für ein Halloween-Fest dekoriert, und das enttäuscht dann selbst nach dem bisher miterlebten akzeptablen Durchschnitt.

Wie es sich bereits herausliest: man kann als Dauergast des Genres zwar mal in „Prom Night 3“ hereinschnuppern und recht passabel auf schlichtem Niveau mit geringen Erwartungen als Vielseher unterhalten werden, den Film schlichtweg zu ignorieren ist jedoch die bessere Idee. Das sympathische Ergebnis von Teil 2 macht jedoch selbstverständlich neugierig auf die ebenfalls von Mary Lou handelnde Fortsetzung, da werden trotz Vorwarnung dennoch manche Freunde von Teil 2 sicherlich enttäuscht werden. Mit Blick auf „Prom Night 4“, der erneut alle Vorgänger ignoriert und etwas völlig eigenständiges erzählt, darf man zumindest mit einem inneren Lächeln vermuten, dass das verkrampfte Imitieren eines Freddy-Filmes seinerzeit nicht den gewünschten Erfolg erzielt hat.


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Sonntag, 18. Juni 2017

PROM NIGHT 2 (Hello Mary Lou: Prom Night 2 1987 Bruce Pittman)


Vor 30 Jahren starb die Ballkönigin Mary Lou auf dem Abschlussball aufgrund eines schiefgelaufenen Streiches, der als Racheakt für ihre Untreue gedacht war. Nach all den Jahren hat sie einen Weg aus dem Fegefeuer heraus gefunden und bemächtigt sich des Körpers der jungen Vicky, die mit dem Sohn ihres damaligen Mörders zusammen ist...


Mary Krueger und Vicky Blair...

Was haben „Prom Night“ und „Prom Night 2“ miteinander gemein? Das im Titel benannte Abschlussfest, welches für die Schönen und Beliebten, glaubt man der Film- und Serienwelt aus Amerika, zum Highlight ihres Schülerlebens gehört. Umkämpft ist die Krone der Ballkönigin, und ein Blick auf den hier besprochenen Film lässt nur hoffen, dass er aus satirischen Gründen das Eifern auf den Titel übertreibt, denn für die ein oder andere Dame dieses Streifens ist ein Leben ohne die Krone ergattert zu haben undenkbar, und wenn man ihn sich per Blowjob erkaufen muss.

Wie auch immer, dass Teil 2 eigentlich ein eigenständiger Film ist und sich den Titel des Originals lediglich aufgrund besserer Verkaufszahlen geliehen hat (war das wirklich von Vorteil?) ist letztendlich egal, zumal der mit Jamie Lee Curtis besetzte Slasher nicht gerade derart umwerfend ausgefallen ist, dass man sich sehnlichst eine Fortsetzung gewünscht hat. Durch die übernatürliche Thematik geht man in „Mary Lou“ (Alternativtitel) völlig eigene Wege - wenn man das so bezeichnen kann, so krude wie er Elemente aus „Der Exorzist“, „Carrie“ und der „Nightmare on Elm Street“-Reihe mixt.

Den Einfluss von Letztgenanntem erkennt man an den einfallsreich gestalteten übernatürlichen Sequenzen, jener Part, an dem sich die Special Effects-Verantwortlichen und jene für die Geschichte tüchtig austoben durften. Ob es ein besessenes Schaukelpferd ist, ein unfreiwilliges Baden in einer Schultafel oder das aus „Nightmare 2“ entliehene Herausbrechen der übersinnlichen Kreatur aus ihrem Leihkörper heraus - zu sehen gibt es einiges, freilich handgemacht in einem 80er Jahre-Film, und das weiß bei der Vielzahl solcher Szenen zu gefallen.

Der Rest des Films kann damit nicht ganz mithalten. Zwar ist er mit Michael Ironside zumindest in einer Rolle gut besetzt (und in den anderen Rollen durchaus brauchbar), aber man merkt der Geschichte an, dass sie eigentlich gar nicht weiß was sie sein will. Nie entscheidet man sich wirklich zwischen Geister- und Exorzismus-Horror, ewig badet man in Visionen und nur selten bekommen gezeigte Szenen einen übergeordneten Sinn beschert. Warum Mary Lou attackiert wen sie attackiert wird nie ganz klar, ebenso die Frage darüber warum diverse Opfer Visionen erhalten.

Als Horrorfilm zum Kopfausschalten funktioniert „The Haunting of Hamilton High“ (Alternativtitel) allerdings recht gut, stellen sich die Unsinnigkeiten doch nicht derart penetrant in den Vordergrund, als dass man den Rest nicht dennoch routiniert genug genießen könnte. Mag „Hello Mary Lou - Prom Night 2“ (Originaltitel) auch manches Mal kurzfristig auf der Stelle treten und sich nicht wirklich derart für die Figuren interessieren, wie er es nach außen hin anhand diverser persönlicher Sub-Plots vorgaukelt zu tun, Bruce Pittmans Werk ist genau jene unterhaltsame Horror-Zwischendurchkost, für welche ich die 80er Jahre Videotheken-Produkte so liebe.


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Samstag, 17. Juni 2017

THE BLAIR WITCH PROJECT (1999 Daniel Myrick u.a.)


Drei Studenten fahren in die Wälder bei Burkittsville, um eine Dokumentation über die Hexe von Blair zu drehen. Sie kommen nicht zurück. Jahre später werden ihre Aufnahmen gefunden...


Gesellschaftsstudie und viel Botanik...

Daniel Myrick und Eduardo Sanchez griffen das von Rainer Erler entwickelte Found Footage-Verfahren aus „Die Delegation“ aus dem Jahre 1970 auf und nutzten die Idee um auf pseudo-authentische Art für Grusel zu sorgen. Zwar wurde Found Footage bereits im Jahre 1980 teilweise in „Nackt und zerfleischt“ für den Horrorsektor angewendet, unheimlich sollten die Aufnahmen dort jedoch nicht ausfallen, die Ziele waren andere. Myrick und Sanchez schufen ein Werk welches entweder unheimlich langweilt oder den Zuschauer in hohem Maße gruseln kann. Seinerzeit im Kino gesichtet und einige Male allein zu Hause im Dunkeln traf auf mich letztere Wirkung zu. Ich sah ihn auf deutsch, im Originalton, einmal sogar absichtlich ohne hinzuschauen als Hörspiel: „The Blair Witch Project“ gruselte einfach wunderbar.

Nun nachdem durch „Paranormal Activity“ das Found Footage-Verfahren erst viele Jahre danach massentauglich wurde und nicht mehr nur von Filmern kleineren Kalibers wie Charles Band („Das St. Francisville Experiment“) und Oliver Hummel („The Dark Area“) umgesetzt wurde, sondern mit „Cloverfield“ und Co auch von großen Studios, wurde es reizvoll sich noch einmal den ersten großen Kinoerfolg des pseudo-dokumentatorischen Handkamera-Stils anzusehen, erst recht nachdem erst kürzlich „Blair Witch 3“ für Ernüchterung sorgte. Gesichtet habe ich das Original in geselliger Runde, was keine gute Ausgangslage dafür war, dass er wie einst hätte gruseln können. Das war aber auch ganz gut so, denn so erfuhr ich nach all den Jahren, dass er viel mehr als dies kann.

Dass „The Blair Witch Project“ sich äußerst unheimlich anschauen kann (anbei auch ohne den damals angegangenen Internet-Hype und auch dann, wenn man die Aufnahmen nicht für echt hält), hatte der Film mir bereits damals bewiesen, um dies zu bestätigen war eine Neusichtung nicht nötig. Nachdem ich diese aber nun doch angegangen bin, habe ich mich hinterher gefragt, warum jene, die nicht den kindlischen Ängsten in dunklen, verwackelten Bildern im Wald erliegen können, nicht anderweitig mit dem Film zufrieden waren, ist er doch auch als theoretisch geguckter Film ein packender Horrorbeitrag. Er funktioniert als Kunstfilm mit seinen auf eigenständige Art eingefangenen Bildern, die es vergleichsweise in ähnlich gearteten Found Footage-Horrors so nicht noch einmal gab, ebenso, wie als Charakterstudie sich verlaufender Jugendliche der Moderne. Er funktioniert als Unterhaltungsfilm ebenso wie intellektuell gesichtet. Was gibt es an „The Blair Witch Project“ zu meckern?

Einzig das dümmliche Verhalten dem Flussverlauf nicht folgen zu können und den Sonnenstand nicht für den Ausweg aus den dichten, tiefen Wäldern zu nutzen, verärgert an der hier erzählten Geschichte. Diese Punkte werden nie angesprochen und lassen die jungen Leute eine Spur dümmlicher wirken als sie eigentlich sind. Der Rest strahlt jedoch eine solch authentische Wirkung aus, dass „The Blair Witch Project“ auch im Nichtgrusel-Modus einfach zu fesseln weiß. Den Darstellern kauft man ab genau der Charakter zu sein, den sie spielen. Man würde nie eine andere Person hinter ihnen vermuten. Und das Schrittchenweise angegangene emotionale Entdriften ist psychologisch glaubwürdig eingebracht und auf die hier präsentierten Figuren genauestens abgestimmt.

Die wichtigste Rolle um diesen Prozess zu beschleunigen stellt hierfür Heather da, die bereits in der Vorphase bestimmerisch, verwöhnt und mit klassischem Mädchenbonus versehen, nicht gerade den Eindruck einer sympathischen Person macht. Mit ihr gemeinsam im dichten Wald verloren zu gehen wird zum reinen Horror, reizt sie doch selbst die Nerven des Zuschauers, so dass dieser sich toll mit den beiden Männern der Gruppe identifizieren kann. Klar kann man von Heather derart genervt sein, dass der eigentliche Film einem damit auf den Senkel geht, man kann „The Blair Witch Project“ aber auch mit eingeschaltetem Kopf sichten und die Chancen erkennen, die er damit bietet.

Denn nach anfänglichen Ärgernissen Heather gegenüber kommen nun noch wunderliche Konfrontationen mit wem unsichtbar agierend Unbekanntes, Kälte, Hunger und Angst als Faktoren hinzu, die nicht gerade dabei helfen die höflichen Umgangsformen aus der Zivilisation beizubehalten. Myrick und Sanchez begehen nie den Fehler die Drei all zu sehr abdriften zu lassen. Der Grad der Aggression bleibt stets realistisch und wird nie für Horrorfilmgewohnheiten übertrieben und verfälscht. Stets versucht man einander wieder zu beruhigen, bekommt noch einmal die Kurve, aber Ausraster stehen auf der Tagesordnung. Es sind die Jungs die sich umeinander kümmern, die einander schonen um Ruhe zu bewahren. Heather hingegen treiben egoistische Gründe voran, sie unterlässt ihr penetrantes Nachfragen nach Nichtigkeiten nicht einmal wenn es wem psychisch gerade sehr dreckig geht. Freilich hält sie sich selbst für ungeheuer umgänglich. 

Selbst in der deutschen Synchronisation spielt der Ton eine wichtige Rolle für die erzeugte Authentizität. Wer Heather einmal hat verzweifelt kreischen hören, der glaubt sie wäre echt, schreit sie doch keinesfalls Kino-typisch. Und man darf sich fragen, warum ein so lebensechtes Verzweifeln im Tonbereich nie wieder, all die Jahre nach „The Blair Witch Project“, verwendet wurde, wenn das Ergebnis dieser Tonlage doch ebenso nervt wie überzeugt. Horrorfilme bestehen aus allerhand angespannten Situationen. Eine Möglichkeit jemanden wie Heather artikulieren zu lassen ist in der Regel zuhauf gegeben.

„The Blair Witch Project“ hatte seinerzeit eine derartig unheimliche Wirkung auf mich, dass meine Lieblingsszene, der in der Ecke stehende Mike, mir allein bei dem Gedanken an den Film eine Gänsehaut beschert hat. Nachdem ich den Grusler gestern gesehen habe ohne mich zu gruseln, fasziniert selbst diese Szene noch, fragt man sich doch unweigerlich, gerade nachdem man Mike so gut kennen lernen durfte, welch starker Macht er wohl unterliegen muss, um zu tun was wir für wenige Sekunden zu sichten bekommen. Gerade ist er noch hysterisch durch ein plötzlich entdecktes, verfallenes Haus gelaufen, und im nächsten Moment steht er brav in der Ecke, so wie es ein Interviewter zu Beginn des Streifens zum Thema der Hexe von Blair beschrieben hat. Dieses Gedankenspiel ist bereits in der Theorie unheimlich.

Zudem ist der in der Ecke stehende Mike optisch eingefangen die Hauptattraktion eines ohnehin kunstvoll abgefilmten Szenarios. Wer mit verwackelten Aufnahmen etwas anfangen kann (und in „The Blair Witch Prohject“ wird mehr gewackelt als in so ziemlich jedem anderen Found Footage den ich sichten durfte), der kann in der Schönheit der Aufnahmen verloren gehen, die man als eine Kunst des Reduzierens verstehen kann. Vom professionellen Abfilmen abgewendet, hin zur amateurhaft verwackelten Optik im theoretischen Sinne, aber doch einen eigenen Look erhaltend. Bilder aus „The Blair Witch Project“ erkennt man direkt als solche wieder. Aufnahmen vergleichbarer Filme im Wald sehen anders aus. So leicht wie es klingt lässt sich der Aufnahmestil des hier besprochenen Streifens nicht kopieren.

Dies betrifft aber ebenso die Glaubwürdigkeit des Filmes. Wo in „The Dark Area“ und in „RAW - Der Fluch der Grete Müller“ untalentierte Filmemacher am Werk waren, denen die Empathie fehlte sich ins Geschehen und in die Personen hineinzuversetzen, erlebt man in „The Blair Witch Project“ genau das Gegenteil, vorausgesetzt man ist empathisch genug um dies entdecken zu können. Falls nicht bleibt ein Langeweiler, der mit plumpen Geräuschen für Angst sorgen soll und verwackelt Waldaufnahmen bei Tag und Nacht zeigt. Ein solches Empfinden ist keine Seltenheit beim Publikum vom „Blair Witch Project“, so ziemlich die Hälfte aller Zuschauer empfindet so. Mir könnte nichts ferner liegen, mag ich den Film doch sowohl für seine intellektuelle, wie auch für seine gruselige Seite. Beide Trümpfe sind nur bei sensiblem Herangehen an den Stoff zu erfahren. Und allein dafür erntet der Film meinen Respekt.


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Donnerstag, 15. Juni 2017

THE WOLFPACK (2015 Crystal Moselle)


Ein 15jähriger lebt mit sechs Geschwistern, Vater und Mutter in einer Wohnung in einer amerikanischen Großstadt und hat diese so gut wie nie verlassen. Gemeinsam mit seinen Geschwistern guckt er allerhand Filme, während der Kontakt zur Außenwelt fehlt...


Zaghafter Ausbruch...

Liest man die Geschichte um Kinder, die bis auf wenige, kurze Ausnahmen, nie ihre Wohnung verlassen haben und die Außenwelt lediglich über Kinofilme kennen gelernt haben, erwartet man im RTL-Reportage-Stile stark gestörte Individuen, die zu keinem vernünftigen Dialog in der Lage sind und ein stark asozial geprägtes oder introvertiertes Verhalten an den Tag legen. Da darf man schon überrascht sein, wenn uns „The Wolfpack“ ganz im Gegenteil fast erwachsene Menschen präsentiert, die zur klaren Artikulation und zur Reflexion in der Lage sind und einen sozial geprägten Eindruck machen. Das macht die Aussagen aus erster Hand um so interessanter, kann man sich solch ein Leben doch kaum vorstellen.

Um so ernüchternder ist es festzustellen, dass die Dokumentation sich viel mehr Zeit für die Filmvernarrtheit der Wolfskinder nimmt, anstatt die Hintergründe zu beleuchten. Worte aus erster Hand schön und gut, aber wie steht es um die Meinung von Psychologen und Sozialbetreuern? Wo sind die Worte möglicher Ermittler vom Sozialamt oder von der Polizei, die Hintergründe erleuchten könnten, von denen die Familie vor der Kamera nicht gewollt ist zu reden? Das würde helfen so manches in der Luft schwebende Rätsel zu lösen.

Was genau sah der Vater als seine Mission an? Wieso ließ die Mutter all dies zu, wenn doch einzig dem Vater die Buhmann-Karte zugeschoben wird? Warum ließ auch sie sich einsperren? Warum hieß sie dieses Verhalten zunächst gut und später nicht? Meist werden derartige Themen nur angedeutet. Wie sich die neunköpfige Familie allein über Sozialhilfe mit all den eingekauften Filmen finanzierte wird ebenso wenig klar. Zwar ist es schön, dass auch der Vater zu Wort kommt, doch Fakten erfährt man über ihn nicht. Seine Worte helfen lediglich den gestörten Charakter zu erkennen, den auch die Kinder in ihm sehen. Er redet stets von den übergeordneten Dingen und Regeln im Leben, nie von sich selbst. Reue sieht anders aus.

Der Blick aus dem Fenster zeigt die wahre Welt der Großstadt. Trotz diverser Kommentare wird nie ganz deutlich warum der Wunsch auszubrechen so lange unterdrückt wurde und erst nach 15 Jahren in die Tat umgesetzt wurde. Auch das Leiden eingeengt wird nicht thematisiert. War es denn tatsächlich so schön miteinander auf so engem Raum zu leben? „The Wolfpack“ zeigt lediglich den sozialen Zusammenhalt der Kinder untereinander und zur Mutter, inklusive Erweiterung dieser Thematik über eine telefonische Versöhnung zwischen Mutter und Großmutter. Aber war das Leben, so schön man es sich auch mit dem Nachspielen diverser Filme im Stile eines „Abgedreht“ gemacht hat, allein aufgrund der Gewöhnung so einfach zu durchleben wie es hier den Eindruck macht? Oder vermittelt der Film gar lediglich den falschen Eindruck, durch seine viel zu fröhliche Art? Ist man einfach vorbelastet von der Idee eines „Nell“, dass man in den Geschehnissen etwas Tragischeres sehen möchte, als es letztendlich war?

Dass die Mutter gehauen worden sei, wird erwähnt. Dass man ängstlich aufgewachsen ist, wird erwähnt. Und doch sehen wir meist nur heitere Heranwachsende, die kopfschüttelnd verstehen was ihr Vater ihnen angetan hat, aber auch nicht bereit sind sich von Null auf Hundert der Welt zu öffnen. Der Sohnemann zieht in eine eigene Wohnung. Ein großer Schritt ist getan. Die Jobsuche war auch erfolgreich. Echter Kontakt zum Vater findet nicht statt. Wie sahen die Konsequenzen vom Gesetz her aus? Gab es welche? Das sind zu wenig Informationen auf Spielfilmlänge zu einem hochinteressanten Thema, und das sind mit dem Zeigen der Filmbegeisterung in vielschichtiger Form falsche Schwerpunkte. „The Wolfpack“ bleibt zu theoretisch, lässt einen nicht heran, obwohl er ganz persönlich tief eintaucht. Ein wunderliches Ergebnis!


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SCARECROW - DAS GRAUEN STIRBT NIE (Scarecrow 2013 Sheldon Wilson)


Das seit 100 Jahren gefeierte Vogelscheuchenfest findet mittlerweile an einem anderen Ort als üblich statt. Also unternimmt ein Lehrer mit seinen jugendlichen Zöglingen einen Ausflug auf jene angeblich verfluchte Farm, auf der damals der Vogelscheuchenfluch begann, den nach all der Zeit jeder für eine Legende hält, und wo bislang besagtes Fest immer gefeiert wurde. Der Auftrag lautet die Vogelscheuchen im Feld als Deko an den neuen Ort zu bringen. Doch kaum auf der Farm angekommen wird die Gruppe von einem übernatürlichen Wesen attackiert...


Menschen wie Krähen...

Aufgrund des inszenatorisch geglückten „Shallow Ground“ wagte ich mich an den ebenfalls von Sheldon Wilson umgesetzten „Scarecrow - Das Grauen stirbt nie“ heran, wissendlich dass dieser mit „Die Vögel - Attack from Above“ sehr wohl bewiesen hat auch meidenswerte Horror-Ware in Umlauf gebracht zu haben. Dieser war im Gegensatz zu den beiden anderen Filmen jedoch nicht von Wilson mitproduziert, und am Drehbuch zu „Scarecrow“ (Originaltitel), den man nicht mit „Scarecrows“ aus dem Jahr 1988 oder „Scarecrow“ aus dem Jahr 2002 verwechseln sollte, hat der gute Mann sogar mitgeschrieben. Ich war also guter Dinge.

Aber leider bestätigt ein Blick auf besagten Vogelscheuchen-Horror lediglich, dass „Shallow Ground“ wohl doch nur ein Glückstreffer oder ein einsames Herzensprojekt Wilsons war. Zugegeben: „Scarecrow - Das Grauen endet nie“ (Alternativtitel) ist ein TV-Film und zudem hierzulande ziemlich mäßig synchronisiert. Mehr wäre dennoch drin gewesen. Dass der Aufhänger der Geschichte unsinnig ist, die Einleitungsszene für den Restfiln nicht hätte sein müssen und man uns Stereotype vorsetzt, ist keine Seltenheit im Genre und kann dennoch manches Mal passablen Ergebnissen nicht im Weg stehen. Bei „Scarecrow“ fehlt es jedoch an Gespür für die jeweilige Szene, eben genau jene Stärke, die „Shallow Ground“ zu einem Hingucker machte.

Nicht nur dass das Grauen viel zu schnell Einzug hält und auch viel zu schnell als solches erkannt wird, noch bevor rationale Alternativen auszuschließen wären, auch die Gruppendynamik und die Gesamtsituation will so gar nicht funktionieren. Die mau besetzten Klischeefiguren sagen lustlos einfallslose Sätze auf wie „Was glaubst Du ist hier passiert?“ - „Etwas Schreckliches!“ oder (kein exaktes Zitat nun:) „Es tut mir leid dass Eure Freunde tot sind“, sie überlegen nie nach sinnvollen Lösungsmöglichkeiten, verstreuen sich immer wieder in alle Himmelsrichtungen, um ebenso oft wieder zusammen zu finden. Und obwohl „Messengers 2“ bei ähnlicher Story und Drehort mit bescheidenen Mitteln zu unterhalten wusste, schafft Wilson hier selbiges nie. Nach einem funktionierenden Spannungsbogen muss man von daher erst gar keine Ausschau halten.

Eigentlich ist es schade um das Monster selbst, welches recht passabel am Computer umgesetzt wurde und eine Art Vogelscheuchen-Geister-Phänomen sein soll und somit nicht klassisch, wie im sonst rar vertretenen Gebiet des Vogelscheuchen-Horrors üblich, als erweckter, wandelnder Vogelscheuchenkörper auf seine Opfer losgeht. Das Geisterwesen wirkt wie ein flüssig-schleimiger, sich dehnen und biegender, dunkler Phantomkörper, der in atmosphärischerer Umgebung für gutes Grusel-Feeling hätte sorgen können. Leider dümpelt die hier erzählte Geschichte jedoch ähnlich trist vor sich her wie „Dead Birds“.

Dort wie hier tritt am Handlungsort angekommen die Handlung auf der Stelle. Zwar baut Wilson ordentlich Action in Form von häufigen Attacken des übernatürlichen Wesens ein, das ist aber alles so lustlos und vorhersehbar inszeniert und erzählt, dass sich dennoch nur Langeweile breit macht. Der Hintergrund aller Geschehnisse wird immer wieder mal angedeutet, interessiert aber ohnehin nicht wirklich bei solch mauem Plot, und so bleibt am Ende ein Genrebeitrag, den man nicht gesehen haben muss, dem ich aber trotzdem eine Fortsetzung in anderen Händen wünschen würde, eben weil mir die Kreatur an sich recht gut gefallen hat. Da kaum wer „Scarecrow“ kennt, braucht man auf eine solche aber wohl nicht ernsthaft hoffen.


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Mittwoch, 14. Juni 2017

BABY BLUES MASSACRE (Baby Blues 2008 Lars E. Jacobson u.a.)


In den 80er Jahren lebt Jimmy mit seinen drei Geschwistern und seiner Mutter auf einer Farm, während sein Truck fahrender Vater meist unterwegs ist. Eines Tages beobachtet Jimmy, dass sich seine überforderte Mutter merkwürdig verhält. Als er am Abend das Baby der Familie tot auffindet, versucht er sich und seine anderen Geschwister in Sicherheit zu bringen. Das ist auch gut so, denn die Mutter driftet immer weiter von der Realität ab und verfolgt mordlüsternd ihre Kinder...


Der Fuchs im Hühnerstall ist das Opfer...

Die Psychologie mag ein wenig simpel ausgefallen sein, wenn eine überforderte, meist vom Ehemann allein gelassene, Mutter durchdreht und dabei nicht nur eine Handlung aus dem Affekt begeht, den sie kurz darauf bereut, sondern derart abdriftet, dass sie als wild gewordene Psychopathin ihren Kindern nach dem Leben trachtet. Da das Ganze jedoch so konsequent eingefangen und packend erzählt ist, sieht man über dieses kleine Defizit wohlwollend hinweg, wissendlich, dass gelungene Horrorfilme über Psychopathen im Meer der Veröffentlichungen zu diesem Thema wahrlich rar gesät sind.

Bereits die Lauflänge von unter 80 Minuten (70 Minuten ohne Abspann gemessen) weiß Sympathie zu erzeugen, scheitern doch viele Horrorfilme an der unnötigen Verpflichtung auf 90 Minuten aufgeblasen zu sein. „Baby Blues Massacre“ gönnt sich eine relativ kurze Einleitung und konzentriert sich von da an auf die Jagd. Ein weiterer Pluspunkt des Streifens ist die Konsequenz in welcher die Geschichte erzählt wird. Gängige Erzählmuster, an denen der Stammzuschauer des Genres gewöhnt ist, werden oftmals übergangen. Die Mutter mordet sich überraschend erfolgreich durch die Familie, und dass der große Bruder nicht so gut für seine Geschwister sorgen kann, wie er es sich erhofft, liegt an einer glaubwürdigen Figurenzeichnung betreffend der Kinderpsychologie.

Mag Jimmy der Held auch Horrorfilm-typisch mehr wegstecken können als so mancher Actionheld, er ist zumindest kein kleiner Erwachsener, wie man ihn so oft in US-amerikanischen Filmen vorgesetzt bekommt. Er ist ein Kind und muss sich gegen eine ihm körperlich überlegene Macht zur Wehr setzen. Was bereits in den 80er Jahren bei „Deadly Games“ wunderbar funktionierte, weiß auch in diesem kleinen Werk zu gefallen, welches in den 80er Jahren spielt und angeblich auf einer wahren Begebenheit beruht.

Nicht nur dass „Cradle Will Fall - Baby Blues“ (Alternativtitel) für seine FSK 16 unglaublich hart ausgefallen ist, er ist zudem atmosphärisch dicht erzählt, in seiner Wackelkamera-freien Art fast schon altmodisch umgesetzt und bis zum Schluss konsequent erzählt. Gerade die angehangene Schlusssequenz weiß wahrlich zu beunruhgen und bietet nach Abschluss der eigentlichen Hauptgeschichte somit mehr als das was gängige Horrorware üblicher Weise in seinen letzten Szenen zu bieten hat.

„The Mother“ (Alternativtitel) ist meinerseits somit definitiv zu empfehlen, da er sich auf seine traditionelle abgefilmte Old School-Art erfreulich von all den Pseudo-coolen Torture Porns, den bemüht selbstironischen Horror-Komödien und den oft albern ausgefallenen Psychopathen-Horrors abhebt und letztendlich das bietet, was es bestenfalls in einem Horrorfilm zu erleben gibt: eine spannende Geschichte. Von wahrem Nervenkitzel würde ich zwar nicht gerade sprechen, zumindest für Stammzuschauer im Horrorfilm, packend genug um mit dem Jungen mitzubangen ist das Ergebnis aber definitiv ausgefallen. „Baby Blues“ (Originaltitel) ist in meinen Augen ein kleiner Geheim-Tipp.


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F.LM 


Sonntag, 11. Juni 2017

DAYLIGHT (1996 Rob Cohen)


Aufgrund einer Explosion wird der Verkehrstunnel unter dem Hudson River großteils zerstört, seine Eingänge sind von beiden Seiten verschlossen. Der ehemalige Katastrophenexperte Kit betritt die Unfallstelle über das Ventilatorensystem, um den wenigen Überlebenden beizustehen. Da die Rückkehr auf gleichem Wege unmöglich ist, versucht die Gruppe einen anderen Weg hinaus zu finden...


Beim nächsten Mal die Brücke...

Ich und Katastrophenfilme, das verträgt sich nicht wirklich, kann ich mit der Effekthascherei, der reißerischen Dramatik und all dem Drumherum in der Regel doch wenig anfangen, erst recht wenn alles so theatralisch stattfindet und einer denkfaulen Geschichte unterliegt wie beispielsweise in „Volcano“. Dass ich mich dennoch an „Daylight“ herangewagt habe, hat zwei Gründe. Zum einen gucke ich unglaublich gerne jegliche Filme mit Sylvester Stallone und zweitens habe ich, eben weil ich dies tue, „Daylight“ bereits zu Zeiten seiner VHS-Veröffentlichung gesichtet, und da hat er mir so gut gefallen, dass ich ihn gleich zwei Mal geguckt habe.

Das war Grund genug zu testen, ob mich der Film zu Zeiten eines sehr stark veränderten Filmgeschmacks noch immer zu packen weiß oder nicht. Und was soll ich sagen? Meine Begeisterung von einst kann ich zwar nicht mehr nachvollziehen, unterhalten hat mich „Daylight“ aber durchaus. Mag die Einleitung mit all den beeinflussenden Faktoren auch etwas zu konstruiert erscheinen und Kits Vergangenheit beim Katastrophenschutz und der Grund für seine Entlassung etwas stark klischeehaft anmuten - sind die Weichen erst einmal gestellt, um Stallone endlich in den Tunnel zu schicken, geht es bergauf mit dem Film, startet doch nun der Überlebenskampf unter der Leitung des Actionhelden, also jene Phase wegen der man eingeschaltet hat, und für diese nimmt sich der Film genügend Zeit.

Dankenswerter Weise dürfen wir die Eingeschlossenen gut genug kennen lernen, um mit ihnen mitfiebern zu können. Zudem bekommt das Drehbuch zumindest jenen Bogen an Glaubwürdigkeit hin, der für die Gruppendynamik wichtig ist. Da fallen Worte des Misstrauens, da werden Entscheidungen aus Verzweiflung getroffen, undankbare Worte aus einer emotionalen Situation heraus gesprochen, da wechseln sich Zusammenhalt und Egonummern immer wieder ab, all dies stellt sich der Unglaubwürdigkeit des Gesamtszenarios tapfer entgegen. Wie hanebüchen die eigentliche Story ausgefallen ist zählt nicht, das nahm man von Anfang an in Kauf. Somit ist es der Glaubwürdigkeit innerhalb der Gruppe Überlebender zu verdanken, dass „Daylight“ zu einer positiven Seherfahrung wird.

Ein großes Filmereignis kann mit solch einem stupiden Plot dennoch nicht entstehen, es sei denn man gehört zu jener Art Publikum, die aufgrund toller Spezialeffekte und wuchtiger Szenen alles andere ausblenden kann. Das schaffe ich recht gut im Horrorbereich, aber bei Filmen die möglichst realistisch ausfallen wollen bin ich da um so kritischer. Wie auch immer, das Drehbuch sorgt für allerhand Situationen durch welche sich die Gruppe durcharbeiten muss. Und da sich eine Lösung meist erst kurz vor dem Zusammenbruch der jeweiligen Situation ankündigt, kommt es gelegentlich zu wahrlich nervenkitzelnden Szenen.

Dank der Figurennähe weiß zudem der Tragikgehalt zu funktionieren. Wenn wer Verletztes zurückgelassen wird oder stirbt, bricht es einem wahrlich das Herz. Umgekehrt bangt man bei jedem neuen waghalsigen Plan um die Überlebenden. Auf emotionaler Ebene weiß „Daylight“ somit bestens zu funktionieren. Mein persönliches Highlight des Streifens ist die fesselnd eingefangene Szene, in welcher Stallone bei geringem Zeitfenster durch vier Ventilatoren klettern muss, um überhaupt zu den Eingesperrten zu gelangen. Ein ereignisreiches Drehbuch sei Dank ist dies erst der Beginn einer episodenhaften Geschichte, welche Kit und die zu Rettenden immer wieder mit neuen Problemen auf die Probe stellt.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Dank des Mitfieberns mit der Gruppe, der Sympathie zum Schauspieler Stallone und seiner Rolle Kit, sowie einem glaubwürdig zurechtgemachten Handlungsort weiß „Daylight“ auf emotionaler Ebene trotz seiner verzeihbaren Defizite gut genug zu funktionieren, um sich von ihm unterhalten lassen zu können. Entspannt dürfte niemand das aufregende Geschehen verfolgen. Aufregend genug um Rob Cohens Werk eine Liga weiter nach oben zu verfrachten ist der Film jedoch auch nicht ausgefallen, dafür fehlt es dann doch an echten Wagnissen und Innovationen im Drehbuch, welches zwar immer wieder recht interessante Momente kreiert, auf den Gesamtfilm gesehen aber lediglich den üblichen Ablauf abgrast.


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D-TOX - IM AUGE DER ANGST (D-Tox 2002 Jim Gillespie)


Der FBI-Agent Jake Mallow verfolgt seit Monaten einen Serienkiller. Der tötet Mallows Frau bevor er sich selber richtet, was den Gesetzeshüter derart aus der Spur wirft, dass dieser seinen Kummer von nun an im Alkohol ertränkt. In einer abgelegenen Klinik nimmt er an einer Entziehungskur mit einer handvoll anderer Polizisten teil. Als von diesen einer nach dem anderen unter ungewöhnlichen Umständen umkommt wächst in Mallow der Verdacht, dass der vermeintlich tote Psychopath doch noch am leben ist...


Alkoholverbot on the Rocks...

„D-Tox“ hätte unter anderer Umsetzung und dem Setzen anderer Schwerpunkte ein toller Thriller werden können. Wir haben Stallone besetzt in einer tragischen, helfenden und handelnden Rolle, wir haben die Geschichte um einen Psychokiller und einer Gruppe Menschen, die durch dessen Taten immer kleiner wird, wir haben einen abseits gelegenen Handlungsort mitten im Schnee und eine Gruppe von schlecht gelaunten, ehemals harten Kerlen, die schwere Probleme mit sich herumschleppen. Doch mag die neugierig machende Geschichte auch wie „ein Stallone-Film trifft auf Agatha Christie“ klingen, so ist die Dezimierung der kleinen Gruppe leider weniger im Stile eines „10 kleine Negerlein“ angelegt, als viel mehr mit Versatzstücken eines Slashers aus dem Horrorbereich versehen, wenn auch nie wirklich einer werdend. Zumindest erklärt dieser Umstand warum „Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast“-Regisseur Jim Gillespie den Auftrag bekam besagten Stoff umzusetzen.

Nur leider verfügt dieser über kein nennenswertes Talent, was der drei Jahre nach dem hier besprochenen Film erschienende „Venom - Biss der Teufelsschlangen“ noch deutlicher beweist als besagter Slasher oder eben „D-Tox“, der sich nie ganz entscheiden kann, ob er nun ein typischer Stallone-Film sein will, ein Slasher oder ein Thriller im Stile eines „Sieben“ oder „Das Schweigen der Lämmer“. Das zeigt, dass auch das Drehbuch Grund für die schwächliche Umsetzung des fertigen Produktes ist und somit nicht einzig Gillespie das Projekt in den Sand setzte. Das kann ohnehin nicht sein, ist „D-Tox“ doch das Paradebeispiel vieler negativer Einflüsse, die nicht förderlich für ein akzeptables Ergebnis sind.

Die Verantwortlichen für die Besetzung haben ebensolch maue Arbeit geleistet, wie erstaunlicher Weise Sylvester Stallone selbst, dessen Gesicht 9 Jahre nach „Cliffhanger“ wohl noch einige Botoxbehandlungen mehr hinter sich zu haben scheint, denn rein mimisch will da nur noch wenig funktionieren. In den traurigen Szenen überzeugt Stallone noch immer, ansonsten schreitet er mit eingefrorener Mimik durch einen Film, der ihm ziemlich egal zu sein scheint. Im letzten Drittel hilft ein Drei-Tage-Bart ihm dabei etwas charismatischer herüberzukommen, so gut wie in vielen anderen Filmen wirkt er hier leider aber gar nicht mehr.

Letztendlich ist das aber auch egal, denn in „D-Tox - Im Auge der Angst“ steckt der Wurm drin. Allein die Laufzeit macht ihm einen Strich durch die Rechnung, benötigt die Geschichte doch eine Figurennähe aller an der Therapie beteiligten Personen, und das lässt bei durchschnittlicher Laufzeit allein schon die viel zu langgezogene Anfangsphase nicht zu, die man locker um 2/3 hätte streichen können, bei dem geringen Grundlagenwert, den sie für die darauf aufbauende Geschichte bieten muss. Dass der eigentliche Hauptpart sich nie ganz rund anfühlt, liegt aber nicht nur an der Gleichgültigkeit des Zuschauers den Charakteren gegenüber, auch werden Situationen oft zu sprunghaft angegangen, obwohl eine sensible Annäherung zum Einfühlen oder Begreifen wichtig gewesen wäre.

Das macht ohnehin das Gesamtproblem der Geschichte aus: sie guckt sich zu theoretisch. Stets versteht man was gemeint ist und was der Film gerade im Zuschauer entfachen soll. Aber dies passiert nicht, zumal die Einzelzutaten aus jeweils verschiedenen besseren Filmen zusammengeklaut wurden und im undurchdachten Vermengen kein sinniges Gesamtes ergeben. Inmitten dieser Schwachpunkte macht es schon fast nichts mehr aus, dass man den Killer bereits längst bei der Figurenvorstellung erraten hat, gibt es in der präsentierten Gruppe doch nur eine Person, die nach Ami-Film-Regeln in Frage käme der Killer zu sein, und dessen Darsteller weiß als Bösewicht zudem so gar nicht zu überzeugen, was in dieser Baustelle an Film, die durch etliche Unglaubwürdigkeiten und Logikbrüche zusätzlich geschwächt wird, auch nichts mehr zu zerstören weiß.

Als theoretischer Durchschnitt funktioniert „Eye See You“ (Alternativtitel) erstaunlicher Weise trotzdem noch halbwegs, wird er doch nie langweilig und besitzt er doch trotz alledem einen passablen Rest-Spannungsbogen. Das liegt u.a. daran, dass die Ausgangsidee in dieser tristen Umgebung, unter diesen tristen Umständen es mit einem Psychokiller zu tun zu haben, eigentlich eine recht berauchbare ist, auch wenn „The Outpost“ (Alternativtitel) dies kaum erkennen lässt, so unlogisch und fast schon lustlos wie er sie uns präsentiert. Ich habe schon wesentlich schlechtere Werke gesichtet, „Im Auge der Angst“ (Alternativtitel) kann bei einem geduldigen, bescheidenen oder bescheuerten Publikum durchaus routiniert funktionieren. Bei all den geglückten Stallone-Filmen auf dieser Welt greife ich in Zukunft aber trotzdem lieber zu diesen.


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Samstag, 10. Juni 2017

SHALLOW GROUND (2004 Sheldon Wilson)


In der Polizeistation von Shallow Valley taucht ein am kompletten Körper blutbedeckter Junge auf. Eine Analyse ergibt, dass es sich um das Blut diverser Opfer einer ungeklärten Mordserie handelt...


Blutjunger Nacktarsch...

„Shallow Ground“ findet sich auf allerhand wahllos zusammengewürfelten Horrorfilm-Boxen und taucht selbst in den häufigen Soloveröffentlichungen auf DVD ohne deutsche Untertitel auf. Als Vielseher des Genres vermutet man aufgrund dessen und veröffentlicht durch die gern lieblos vorgehenden Leute von Best Entertainment einen üblen Schnellschuss-Horror a la „Mexican Werewolf“ oder „Scarred - Narben des Todes“. Aber nicht nur dass überraschender Weise die deutsche Synchronisation recht gut ausgefallen ist, auch der Film selbst entpuppt sich als keinesfalls lieblos angegangen.

Ebenso wie mancher Synchronsprecher weiß auch nicht jeder am Projekt tätige Schauspieler zu überzeugen. Dank der stimmigen Inszenierung von Sheldon Wilson ist dies aber gar nicht weiter wild, hat dieser die Geschichte doch allein aufgrund der packenden Atmosphäre im Griff. Gerade in der ersten Hälfte, die besonders rätselhaft und irritierend wirkt, befindet sich der Streifen mit dieser auf einem Hoch, welches ich einem Film dieser Art Veröffentlichung ehrlich gesagt schon nicht mehr zugetraut habe. Sicherlich muss man Freund ruhigerer Stoffe sein, an einer interessanten Geschichte und blutigen Bildern mangelt es jedoch nicht.

Selbst wenn die Geschichte sich im Laufe der Zeit in einige Ungereimtheiten verstrickt und sich vieles des Gesichteten lediglich als quantitativer Schauwert herausstellt, der für den späteren Verlauf nicht mehr von Bedeutung ist, bleibt „Shallow Ground“ sympathisch erzählt und wird nie zur unfreiwillig komischen Lachnummer. Auf Nummer Sicher geht Wilson diesbezüglich nicht. Er sichert sich nicht mit einem ironischen Erzählton ab, präsentiert seine Geschichte stattdessen stets ernst erzählt und auch die Mimen lassen kein Augenzwinkern durchschimmern. Diese Ernsthaftigkeit dankt man aufgrund des geglückten Ergebnisses den Verantwortlichen als Freund auch kleinerer Horrorprojekte.

Ohnehin kann man großzügig mit dem dicht erzähltem „Shallow Ground“ umgehen, sind doch jegliche Effekte handgemacht, CGI findet nicht einmal in der Ausnahme statt. Zudem wurde nicht im Studio, sondern in echter Naturkulisse gedreht, auch dies weiß zu gefallen. Und der hemmungslose, aber keinesfalls reißerische oder lüsterne Umgang mit Nacktheit, der in Amerika längst keine Selbstverständlichkeit ist, weiß ebenso zu gefallen. Mögen die Charaktere auch nie all zu tief gehen, Stereotype sind sie in der Regel nicht. Und da zudem die Geschichte nicht vorhersehbar ist, sondern ganz im Gegenteil die Neugierde des Zuschauers zu wecken weiß, kann man wahrlich eine kleine Empfehlung aussprechen, vorausgesetzt man erwartet nicht all zu viel.

Interessanter Weise hätte der nicht näher erläuterte Hintergrund der Geschichte Substanz für Fortsetzungen geboten, werden doch zwar die Rätsel des speziellen hier erzählten Falles geklärt, nicht aber die des weitreichenderen Phänomens, welches sich in verschiedenen Teilen Amerikas gleichzeitig abspielt und in „Shallow Ground“ nur recht kurz angesprochen wird. Zu einem Sequel kam es jedoch nie, auch wenn dieses manch schnell zu enttäuschendem Zuschauer sicherlich Antworten geliefert hätte, die ich persönlich für einen geglückten Unterhaltungswert nicht benötige.

Wilsons Folgewerk „Die Vögel - Attack from Above“ wusste mir anbei nicht ansatzweise so gut zu gefallen wie der hier besprochene Film, was in so fern verwundert, als dass „Shallow Ground“ hauptsächlich von seiner geglückten Inszenierung lebt. Vielleicht liegt es auch daran, dass Wilson in „Shallow Ground“ als Produzent Mitspracherecht besaß, im auf SyFy-Niveau abgedrehten Vogelhorror jedoch nicht. Zumindest werde ich mir bei Zeiten mal „Scarecrow - Das Grauen stirbt nie“ ansehen. Hier war Wilson wieder in beides involviert und kann dort nun beweisen, ob „Shallow Ground“ ein Ausnahmewerk war, welches eher zufällig geglückt war, oder ob man auf Wilson ruhig mal trotz diverser Billigfilmchen wie „Mothman - Die Rückkehr“ ein Auge werfen sollte. Auch „Screamers 2 - The Hunting“ erscheint mir nach bisherigem Desinteresse am Projekt mit einem Mal durch die Regie Wilsons als reizvoll.


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MATINEE (1993 Joe Dante)


Zu Zeiten der Kubakrise lenkt sich der Teenager Gene gerne mit Monsterfilmen davor ab, dass sein Vater von der Navy sich eigentlich gerade im kritischen Kubaeinsatz befindet. Monsterfilmproduzent Woolsey nutzt die Angst der Bevölkerung hingegen um seinen neuen Film „Mant“ besser promoten zu können, hängt von dessem Erfolg für Woolsey doch privat wie beruflisch so einiges ab...


Kubakrise, Ameisenmann und noch schlimmer: Zahnarztbesuch...

Dass Joe Dante es versteht ironisch mit dem Bereich des Horrorfilmes umzugehen, und dabei dessen Stärken und Schwächen gleicher Maßen herauszuarbeiten, bewies er schon sehr früh mit „Piranhas“, bevor er in den 80er Jahren „Gremlins“ nachschob und mit diesem einen Publikumsliebling schuf, dessen Ruf nach wie vor ungebrochen ist. Im weniger bekannten „Amazonen auf dem Mond“, der Fortsetzung von „The Kentucky Fried Movie“, und in dem völlig unterschätzten „Meine teuflischen Nachbarn“ bewies er es auch in Zeiten, in denen seine Filme längst nicht mehr so gut ankamen, wie zu Dantes populärsten Zeit, dass ihn dieses Talent nicht verlassen hat. Wirklich rundum funktionieren wollten erst „Matinee“ und „Small Soldiers“ nicht mehr, jedoch liegt das bei Erstgenanntem keineswegs daran, dass der Regisseur es nicht mehr verstehen würde verspielt mit dem Horror-Genre umzugehen.

Diese Momente gehören in der mit John Goodman in der Rolle des Woolsey besetzten Komödie zu den Höhepunkten des Streifens. Ob man parodistische Filmplakate nicht existierender Monsterfilme sichten darf, deren Trailer oder den Film „Mant“ immer wieder Richtung Finale eingeblendet in gar nicht mal so knapper Spielzeit, diese Elemente weisen nicht nur eine gekonnte Pointensetzung auf, sondern beweisen sich auch als gut beobachtete Verarbeitung der tatsächlichen Monsterfilmstoffe der 50er Jahre.

Wer sich mit der Materie auskennt erkennt deutliche Verweise auf „Die Fliege“ und Co, und in der Rolle des Woolsey spiegeln sich zum einen Regielegende Alfred Hitchcock wieder, als auch B-Filmer William Castle, dessen Spielereien während der Vorführung von „Schrei, wenn der Tingler kommt“ deutlich Pate für jenen Heckmeck standen, den Woolsey bei seiner Premiere zu „Mant“ im Kinosaal veranstaltet, einem Film über einen Mann, der zur Ameise mutiert.

Der Mut zu Albernheiten weiß „Matinee“ mitunter seine besten Momente zu bescheren. Ob man bei der Figur eines Gedichte schreibenden, durchgeknallten Rebellen zum Lachen angeregt wird, oder bei den wundervoll dämlichen Dialogen in Woolseys Film, in diesen Momenten befindet sich Dantes Komödie auf einem Hoch. Und auch wenn man meinen sollte dass die im Hintergrund ablaufende Kubakrise ein gekonntes Beispiel dafür ist, warum Monsterfilme in den 50er Jahren so gut ankamen und der Film sich damit auch an anderer Stelle als gut beobachtend beweist, so durchdacht angegangen wie sie sich phasenweise immer wieder schaut, kann sich die Hauptgeschichte nicht wirklich von dem Problem lösen, eine Spur zu gleichgültig ausgefallen zu sein.

Der Film wird aus der Perspektive des blass besetzten Gene erzählt, dessen kleine Teenie-Problemchen inmitten des aberwitzigen Szenarios um Woolsey und seine Filme herum weder interessieren, geschweige denn anzustecken vermögen. Ein romantisches Techtelmechtel im Luftschutzbunker, ein Moment der höchst emotional hätte ausfallen können, zumal das junge Paar denkt die letzten Menschen auf Erden zu sein, verkommt zu einer fast gleichgültig wirkenden, austauschbaren Szene, wie so vieles was dem voraus ging. Während die Nebenfiguren dem Film Leben einhauchen (u.a. auch Genes Freund und dessen Love Interest), bremsen die Abenteuer und die Gefühlswelt Genes „Matinee“ immer wieder aus.

Dieses Manko kann dessen Unterhaltungswert zwar nicht zerstören, eben weil genügend positive Faktoren dagegen steuern, allerdings lassen es diese mauen Momente nie zu, dass sich „Matinee - Die Horrorpremiere“ (Alternativtitel) zu dem großen Komödienereignis entfalten könnte, welches eigentlich in ihm steckt. Immer wieder erkennt man das Potential einer grandiosen Horrorfilm-Parodie. Aber im Bereich der alltäglichen Komödie und dem Hauch Jugend-Drama, welches durch die Geschichte weht, verlassen Dante seine erzählerischen Talente, so dass man sich wünscht, er hätte wie einst einfach einen augenzwinkernden Horrorfilm oder eine Komödie besagten Genres abgeliefert, anstatt in der Realität angesiedelt mit Metaebenen zu arbeiten.

Unerklärlich für mich ist, dass Dante es nicht einmal schafft die Monsterfilmbegeisterung Genes auf den Zuschauer zu übertragen, der zu einem guten Teil sicherlich selbst zu dieser Gattung Publikum gehört. Wenn Gene für kurze Augenblicke sein Idol Woolsey privat und während der Arbeit begleiten darf, fehlt das Gefühl der Erfurcht, das Gene empfindet ebenso wie das Gefühl der Enttäuschung, wenn der Regisseur sich mit seinen billigen Tricks als viel zu menschlich erweist, als dass er dem Idolbild eines Teenagers gerecht werden könnte. Lediglich wenn es darum geht Amerika im Belügen seiner Mitbürger im Umgang mit Strahlenschutz zu entlarven, ist „Matinee“ auf dem selben Hoch wie in seiner Monsterfilm-Parodie. Der mittelmäßigen Hauptgeschichte tut es gut solche treffsicheren Nebeneinflüsse zu besitzen, lohnt es sich doch somit trotzdem zum Film zu greifen.


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Donnerstag, 8. Juni 2017

CLIFFHANGER - NUR DIE STARKEN ÜBERLEBEN (Cliffhanger 1993 Renny Harlin)


Acht Monate nach einer missglückten Rettungsaktion, bei welcher eine Frau ums Leben kam, kehrt der Bergführer und Rettungsexperte Walker in seine Heimat zurück, in welcher das Unglück geschah. Als er nach einem kurzem Aufenthalt endgültig abreisen will, geht ein Hilferuf in den Bergen verirrter Touristen ein. Da sich ein Unwetter nähert und eine Rettung per Hubschrauber dadurch unmöglich wird, hilft Walker seinem ehemaligen Freund und Kollegen Tucker bei der Rettungsaktion, nichts ahnend dass der Hilferuf ein Fake von kriminellen Profis war, die bei einem halsbrecherischem Überfall drei Geldkoffer in den Bergen verloren haben. Walker und Tucker geraten in deren Gefangenschaft, Walker kann sich jedoch befreien und sagt den Verbrechern den Kampf an, um seinen Freund zu retten...


Runter kommen sie alle...

Während ich persönlich mit den 90er Jahre-Werken Arnold Schwarzeneggers in der Regel wenig anfangen kann, gefallen mir die Filme von dessem größten Konkurrenten Sylvester Stallone aus dieser Zeit meist recht gut. „Cliffhanger“, an dessem Drehbuch der Hauptdarsteller höchstpersönlich mitgeschrieben hat, ist ein solch geglückter Streifen, was nicht nur an der atemberaubenden Optik aus luftig aufgenommenen Höhen liegt, die wen unter Höhenangst Leidenden wie mich geradezu fesseln und schummrig werden lassen, so genial wie sie eingefangen sind. Da kommt man manches Mal aus dem Staunen nicht heraus, und einer gefühlsintensiven Einstiegsszene sei Dank, stockt einem nicht nur der Atem aufgrund der Optik. In seiner ersten Szene ist „Cliffhanger“ gleich auf einem atmosphärischen Hoch, seine etwas zu standatisierte Actiongeschichte verhindert, dass es auf diesem hochkarätigen Niveau so weiter geht.

Das ist aber gar nicht schlimm, da ein flotter Erzählstil und eine nachvollziehbare Gefühlsebene uns schnell an die Geschichte und ihre Figuren bindet, so dass Renny Harlins mitproduzierte Regiearbeit auch in den simpelsten Momenten funktioniert, wenn „Cliffhanger“ ein geradezu typischer Stallone-Actioner wird. Grundsätzlich ist ein solcher schließlich nichts schlimmes, steht der Mann doch für harte, selbstgerechte Action mit menschlichem Touch, einem kleinen Grad unfreiwilliger Komik und einem Gut-Böse-Klischee, welches man gar nicht missen möchte, so charmant-klassisch wie seine Actionfilme daher kommen.

„Cliffhanger“ lässt in manchem Moment Erinnerungen an das 80er Jahre Action-Kino wieder aufkommen, wenn Stallone sich nicht nur auf recht brutale Art selbstverteidigt, sondern für den guten Zweck auch ohne schlechtem Gewissen Selbstjustiz ausübt, z.B. wenn er einen der Killer eiskalt in der Nacht einen hohen Berg herunterstürzen lässt, kurz nachdem er auf dem Schurken Schlitten gefahren ist. Da darf ein Bösewicht auf einer Stalaktite aufgespießt werden, ein anderer unter der Eisschicht eines Sees ertränkt werden, „Cliffhanger“ geht hart zur Sache, wie man es auch Anfang der 90er Jahre noch in einem Stallone-Film sehen wollte. Und dieser Kompromiss zu einer geistreicheren Geschichte, im Vergleich zu Stallones 80er Jahre-Werken, weiß zu gefallen.

Eine gute Besetzung auf der Bösewichtseite (allen voran John Lithgow) sogt für einen gekonnten Ausgleich zur interessant charakterisierten Helden-Seite, ein persönlicher Zwist zwischen Walker und seinem ehemals bestem Freund hält sich glücklicher Weise in Grenzen und zerstört mit seinem zu klischeebeladenen Getue in dieser reduzierten Art nicht die interessant erzählte Geschichte, die theoretisch plumper ausgefallen ist, als sie auf den Zuschauer wirkt.

„Cliffhanger“ besitzt das Glück gekonnt inszeniert zu sein. Harlin weiß Schwächen aufzufangen, diese teilweise wie Stärken wirken zu lassen, und auch wenn ich in der zweiten Hälfte die schwindelerregenden Bilder vermisste, die gerade zu Anfang als Blickfang auf den Zuschauer niederregneten, so blieb der Streifen doch auch in der Spätphase trotzdem noch eine packend erzählte Erfahrung, auch wenn sie in ihrer groben Geschichte doch eigentlich recht einfach und vorhersehbar gehalten wurde. Dennoch fragte ich mich nach dem Sichten, wie großartig „Cliffhanger“ wohl ausgefallen wäre, wenn die so toll eingenfangenen Tiefen der Berge zu Beginn auch im actionreicheren Bereich des Filmes eine Rolle gespielt hätten. Es ist schade, dass der eine Sehwert durch den anderen ausgetauscht wurde anstatt beide miteinander zu kombinieren.

Harte Effekte, talentierte Mimen und ein Szenario, welches einem trotz seiner Schlichtheit aufgrund von Figurennähe, Sympathie und Situationsnähe nicht gleichgültig werden lässt, sorgen trotzdem dafür, dass aus einer recht schlicht gestrickten Geschichte ein sehenswerter Actionbeitrag wurde, der genau das liefert, was man in einem Actionfilm mit Sylvester Stallone sehen möchte. Mir hat die Wiedersichtung nach all den vielen Jahren wunderbar gefallen.


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Sonntag, 4. Juni 2017

SCHTONK! (1992 Helmut Dietl)


Der Journalist Hermann Willié benötigt dringend wieder einen Knüller um im seinem Beruf Fuß fassen zu können. Als ihm Professor Dr. Knobel über den Weg läuft und ihm offenbart, dass es Tagebücher von Adolf Hitler gibt und er diese verschollenen Elemente auftreiben könne, wendet sich das Blatt. Der Fund wird zu einer weltweiten Sensation, und noch ahnt niemand, dass Knobel ein Betrüger und Kunstfälscher ist...


Führers Hund...

Um die eigentlich wahre Geschichte eines Pressehauses, welches auf einen Fälscher hereinfiel und Hitlers angebliche Tagebücher veröffentlichte, spinnt Helmut Dietl eine erfundene, satirische Geschichte, in welcher er gekonnt die rechte Kunstszene aufs Korn nimmt, eben jene Menschen, die das Kulturgut der Nazis aus Verehrung eben dieser sammeln. Im Zuge der aktuell laufenden Hexenjagd bei der Bundeswehr, bei der jeder Besitzer von Nazi-Artefakten unter Generalverdacht gestellt wird selbst einer zu sein, tut es gut einen Film aus solch aufgeklärteren Zeiten zu sichten, bietet Regisseur und Autor Helmut Dietl doch einen reflektierten, intelligenten Blick auf die Dinge und entlarvt seine Figuren, anstatt ihnen lediglich Stempel aus Vorurteilen aufzudrücken.

In seinen Figurenzeichnungen übertreibt es Dietl dabei gerne, und dies ist genau jener Punkt, der die sonst oft sehr nüchtern ausgefallene und sachlich wirkende Satire aufpeppt, ihr also keineswegs schadet, sondern den nötigen Schliff beschert, dass man dieses sehr niveauvoll umgesetzte Stück Film nah an sich heran lassen kann. Wenn wir Knobel dabei zusehen dürfen, wie er beim Schreiben immer tiefer in die Hitlertagebücher eintaucht, dass er dessen angebliche Handschrift schließlich besser beherrscht als seine eigene, und wenn wir den Verlierer Willié auf seinem egoistischen Höhenflug beobachten dürfen, wissendlich dass er irgendwann eine Bruchlandung erleben wird, sind wir den Figuren, trotz fehlendem Sympathiebezug zu ihnen, nahe, so intensiv lernen wir sie kennen, und so gut wissen sie zu funktionieren in ihrem Mix aus Überspitzung und Realitätsnähe.

Dabei ist es eine wahre Wucht Götz George bei seiner Interpretation seiner Rolle zu beobachten, gerade in jener Phase, in der sich Willié geradezu kindlisch in seine Siegerposition hineinfühlt und freudestrahlend seinen Arschkriechern und Befürwortern großzügig seine Anwesenheit schenkt. Willié ist ein dümmlicher und geltungssüchtiger Charakter, er ist ein schmieriger, in brauner Soße badender Typ, er ist unreif, leichtgläubig und fanatisch. Diese Figur muss man einfach lieben und hassen, und sowohl die Verantwortlichen für die Maske als auch der brillante George machen es dem Zuschauer dabei sehr leicht.

Mit Uwe Ochsenknecht tue ich mich in der Regel schwer, aber seine Leistung in „Schtonk!“ ist neben jener in „Männer“ eine der wenigen Ausnahmen, in welchen ich seine Darbietung und Wirkung unglaublich gut finde. Wie er seine Figur zwischen Genie und Wahnsinn balancierend auslegt und sie im entscheidenden Moment kurzfristig abdriften lässt, dass es aufgrund einer Krankheit vorübergehend keinerlei Zweifel mehr über eine geistige Verwirrung gibt, ist einer der Sehwerte des Filmes. Er ist neben Georges Rolle die zweite Comicfigur in einer ansonsten überraschend nüchtern und realitätsnah wirkend ausgefallenen Satire, und diesen Part beherrscht er gekonnt. Während der Charakter Willié die ganze Zeit über eine personifizierte Farce darstellt, ist Knobel meist Teil der Filmrealität, und in entscheidenden Momenten holt er weit aus um ein absurdes Kuriosium im „Schtonk“-Kosmos zu werden.

Im Gegenzug dazu bleibt Harald Juhnke erschreckend blass, aber zumindest hat dieser keinen Part erwischt, der mehr als Routine von ihm abfordert. Dass zudem Veronica Ferres nicht positiv aufzufallen vermag, dürfte nur jenen Zuschauerpart wundern, der an anderer Stelle etwas mit der stets blass spielenden Untalentierten anzufangen weiß, ich tue dies jedoch nicht und habe mich schon immer gefragt, was sie in der deutschen Medienlandschaft zu suchen hat. In einem solch seriös umgesetzten und stilvoll ausgefallenem Werk wie „Schtonk!“ wundere ich mich erst recht über ihre Anwesenheit, sind im Film ansonsten doch fast nur Könner ihres Fachs engagiert.

Das Spiel mit den Nazisympathisanten der Kunstszene und der Sensationsgier der Presse, mag im Bereich der Satire keine Königsübung sein, sehr leicht kann man mit diesen Schwerpunkten ein Publikum finden. Dietl macht es sich jedoch keineswegs leicht. Auf recht umständlich wirkend erzähltem Wege und geistreich reflektierend, ohne lediglich Stereotypenstempel zu setzen, erschafft er einen intelligenten Blick auf fragwürdige Randgruppen der Gesellschaft, die mal mehr, mal weniger legal, neben der eigentlichen Masse koexistieren.

Stilistisch schwankt er dabei zwischen dick aufgetragenen, fast schon albernen Comicelementen und bodenständiger Beobachtungsgabe. Ihm ist eine aufrichtige Satire geglückt, die eine ohnehin schon kuriose wahre Begebenheit ad absurdum führt und dabei auf niveauvolle und künstlerisch wertvolle Art einen Rundumschlag gegen Fragwürdigkeiten unserer Gesellschaft ausführt.


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Samstag, 3. Juni 2017

WICKED CITY (Yôjû toshi 1987 Yoshiaki Kawajiri)


Ein Friedensvertrag zwischen den Menschen und den Dämonen einer parallelen Dimension muss erneuert werden. Hierfür wird die Hilfe des Mediums Giuseppi Mayart benötigt. Da diverse Elemente der Dämonenseite den Pakt mit der schwächeren Gattung Mensch verhindern wollen, werden Attacken auf Guiseppe vermutet, weswegen Taki von den Menschen und Makie von den Dämonen ihm als Personenschutz zur Seite gestellt werden...


Ein greiser Lustmolch als Beschleunigungstrick...

„Wicked City“ ist nicht sonderlich geistreich erzählt. Nun muss nicht jeder Anime die intellektuelle Dichte eines „Paprika“ oder „Ghost in the Shell“ besitzen, aber eine Spur durchdachter hätte das Werk von Yoshiaki Kawajiri, welches fünf Jahre später in Hongkong eine Realverfilmung erfuhr, ruhig dennoch ausfallen können, badet es für meinen Geschmack doch etwas zu sehr im reißerischen Sexbereich, der stets darum bemüht ist Tabus zu brechen, während er gleichzeitig halbwegs zahm eingefangen wurde, um nicht zum Anime-Porno zu verkommen. Durch ausgeblendete, aber überdeutliche Oralsexszenen und optisch nicht versteckter bezahnter Vaginas ist er an diesem Schmuddelbereich trotzdem näher orientiert als es mir lieb wäre. Warum man nicht gleich den kompletten Schritt Richtung Hentai-Porno gegangen ist, will sich mir nicht erschließen, so notgeil wie „Supernatural Beast City“ (Alternativtitel) daher kommt.

Fairer Weise muss man aber hinzufügen, dass es Kawajiri nicht einzig auf den Sex abgesehen hat. Jegliches Reißerische Element ist ihm lieb, um mit Schauwerten um sich zu schmeißen. Da werden Handkantenkämpfe ausgeführt, selbst wenn die damals noch recht schlicht ausgefallene Animation hierfür nicht das nötige Tempo besitzen kann, da werden Verfolgungsjagden gezeigt, wilde Monstermutationen zelebriert, da wird geballert bis der Arzt kommt und jegliches harte Kerl-Klischee eines Actionfilmes findet ebenfalls seinen Platz. Zudem ist man bemüht um reißerische, überraschende Wendungen im Plot. Und selbst wenn es romantisch wird, wird besagter Bereich derart dick aufgetragen, dass man den dort entstehenden Kitsch ebenfalls als eine Form des reißerischen Kinos betrachten kann. Subtil sieht anders aus.

„Wicked City“ ist ein Film für große Kinder, egal ob wortwörtlich gemeint oder im erwachsenen Körper feststeckend. Und als solcher funktioniert er noch recht passabel, meiner Meinung nach am besten immer dann, wenn es wieder irgendwelche herrlich abartigen Mutationsszenen zu entdecken gibt (die freilich alle leider nicht das Niveau des herrlich glibbrigen Finales von „Akira“ erreichen, der aber erst ein Jahr später die Animewelt für immer verändern sollte). Ob ein Sexualpartner plötzlich spinnenartige lange Beine bekommt, sich bezahnte Vaginas fast über den kompletten Körper eines weiblichen Dämons ausbreiten oder Körperteile aus hungrigen Dämonenmündern wachsen, die Animatoren toben sich munter aus und erreichen damit inmitten recht schlicht gehaltener Animationen sehenswerte Hingucker.

Ohnehin ist man trotz des noch recht billigen 80er Jahre-Animationsniveaus darum bemüht die Optik eines echten Spielfilmes einzufangen, was teilweise atmosphärisch anmutet. Das funktioniert bei den Außenaufnahmen fahrender Autos, oder auch wenn Figuren zur Steigerung der Erwartungshaltung aus dem Dunkeln ins Licht treten, an mancher Stelle, wie bereits beklagter Handkantensequenzen, funktioniert es wiederum weniger. An sich gibt es in diesem prä-“Akira“-Werk am Zeichentrickstil jedoch nichts wirklich zu meckern. Dass „Wicked City“ eine Kinoproduktion ist, sieht man ihm zumindest an. Das schlichte Animationsniveau von Videoveröffentlichungen wie „Twilight of the Dark Master“ lässt er locker hinter sich zurück.

Das Drehbuch hätte allerdings eine Spur besser ausfallen müssen. Nicht nur dass sich der Nutzen des Personenschutzes für den Zuschauer nicht erschließen will, wenn beide Helden der Geschichte stets leicht auszuknocken sind, auch die Wendungen im letzten Drittel, die gerne irre geistreich ausgefallen wären, ergeben in Hinsicht auf die Erlebnisse der ersten Stunde keinen Sinn. Würde man sich dennoch auf diese Idee einlassen, würde das bedeuten, dass alles Vorherige eingeplant und inszeniert war und damit zahmer und ungefährlicher war als gedacht, was den reißerischen Erzählstil ad absurdum führt. So oder so will da was nicht zusammen passen.

Meist aufgrund pornografischer Übertreibungen und harter Klischeecharaktere kann man sich aber ohnehin nicht wirklich in das Treiben der Figuren, oder gar in deren Seelenleben, einfühlen. „Yôjû toshi“ (Originaltitel) bleibt zu theoretisch, beispielsweise dann wenn Taki Makie erretten will, da diese in einem ungewollten Gangbang festsitzt, der eine Art Dämonenstrafe sein soll. Auch das Fehlen möglicher Gesetzmäßigkeiten der übernatürlichen Kräfte erschwert einem den Zugang zu den Erlebnissen. Sie werden lediglich willkürlich eingesetzt, und die Existenz eines spirituell sicheren Hospitals hat man beispielsweise als Zuschauer als Fakt einfach so anzunehmen, in einer Selbstverständlichkeit präsentiert, die nur Sinn ergeben würde, wenn der Zuschauer zuvor in die wundersame Welt von „Wicked City“ eingeführt worden wäre. Und worin nach der überraschenden, leicht faschistischen, Adam und Eva-Auflösung die übernatürliche Kraft Takis liegen soll, bleibt ebenfalls ein Rätsel für das Publikum. Der einseitige Blick der Storyverantwortlichen begnügt sich mit den menschlichen Seiten der Dämonin, so als müsse sich nur die eine Seite verändern, um zu einer besseren Gemeinschaft werden zu können.

Philosophisch gesehen steckt man also ebenso im geistlosen Proletenkino fest wie in jeglichem anderen reißerischen Gebiet von „Wicked City“. Als geistloser Zwischendurchverzehr geht der Film jedoch in Ordnung, eben weil die meist unter einer Stunde laufenden Schnellproduktionen für den Videomarkt schlichter ausgefallen sind als dieser, und er somit das bessere Zwischendurchfutter zwischen den besseren Produktionen darstellt. Für ein wahrlich unterhaltsames Vergnügen ist mir der Streifen jedoch wiederum zu dümmlich ausgefallen. Und die Figur des Lustgreises Giuseppi ist in seiner nervigen Art zu dominant eingefangen, als dass ich diese höflichst ignorieren könnte.


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